Akzeptanzfahrt der ÖBB bei Nacht mit zwei Zügen am Bahnsteig.

Innovation unter realen Bedingungen: Testfahrten für ETCS L2 mit virtuellen Zugfolgeabschnitten (VSS)

Wie lässt sich eine innovative neue Funktion unter realen Betriebsbedingungen zuverlässig überprüfen?

Für die Ertüchtigung der Wiener Schnellbahn-Stammstrecke war die Inbetriebnahme des Nordabschnitts ein wichtiger Meilenstein – und im Hintergrund laufen bereits die Aktivitäten für die weiteren Etappen. Vorbereitende Tests im Labor aber insbesondere auch auf der Strecke sind hierfür ein wesentlicher Schritt.

Pilotphase zur Erprobung virtueller Zugfolgeabschnitte

Der Scope dieser Pilotphase bestand aus Vorbereitung und Durchführung von Testfahrten zur Überprüfung der Funktionserweiterung des europäischen Zugsicherungssystems ETCS um die Verwendung von virtuellen Zugfolgeabschnitten – die Erweiterung auf ETCS L2 mit virtuellen Sub-Sections (VSS).

Die team übernahm dabei die zentrale unterstützende Rolle in der Vorbereitung und Organisation der Testfahrten. Ziel war es, die neue Funktion unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu erproben und belastbare Erkenntnisse für die weitere Einführung zu gewinnen.

Die Verwendung von virtuellen Gleisfolgeabschnitten zeichnet sich dabei insbesondere durch ihren innovativen Charakter aus. Die Freimeldung von Zugfolgeabschnitten erfolgt nicht mehr nur ausschließlich durch eine am Gleis installierte Gleisfreimeldeeinrichtung (wie z.B. Achszählern), sondern wird auch aus der Information der Zugposition und gesicherten Länge in Form von durch periodisch vom Zug übermittelten „Position Reports“ abgeleitet. Genau dieser Paradigmenwechsel in der Gleisfreimeldung stellt das Testvorhaben vor besondere Herausforderungen: Neue Funktionen lassen sich nicht immer anhand bereits etablierter Vorgehensweisen testen. Vielmehr müssen zunächst geeignete Testszenarien entwickelt werden, um sowohl die vorgesehenen Funktionen als auch mögliche Rand- und Ausnahmesituationen systematisch abzudecken.

Erweiterte Anforderungen an Testdesign und Systemintegration

Hinzu kam die hohe technische und organisatorische Komplexität des Vorhabens. Die Änderungen beschränkten sich nicht auf ein einzelnes Kernsystem, sondern wirkten über dessen Schnittstellen hinaus auf weitere Systeme und Komponenten. Für die Testplanung bedeutete dies, technische Abhängigkeiten, betriebliche Anforderungen und die jeweiligen Zuständigkeiten der beteiligten Akteure zusammenzuführen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die enge Koordination einer Vielzahl von Stakeholdern. Infrastrukturbetreiber, Systemlieferanten, Fachbereiche, Betrieb und weitere Projektpartner mussten ihre Aktivitäten aufeinander abstimmen. Unterschiedliche Anforderungen und Perspektiven galt es in eine gemeinsame, strukturierte Testplanung zu überführen. Unsere Aufgabe bestand dabei nicht nur in der Entwicklung und Vorbereitung der Testfälle, sondern auch im effektiven Stakeholdermanagement – die zahlreichen Schnittstellen zwischen den Beteiligten zu koordinieren und einen reibungslosen Ablauf der Testfahrten sicherzustellen.

Testfahrten unter realen Betriebsbedingungen

Besonders anspruchsvoll war die Testdurchführung unter realen betrieblichen Rahmenbedingungen. Die Testfahrten fanden ausschließlich in den Nachtstunden statt, um die notwendigen betrieblichen Zeitfenster nutzen und gleichzeitig Auswirkungen auf den regulären Bahnverkehr minimal zu halten. Insgesamt wurden in 7 Testnächten mit 8 Testfahrzeugen unterschiedlicher Hersteller und unterschiedlicher technischer Ausprägung in Summe 48 Testfälle/-sequenzen durchgeführt.  Solche Einsätze stellen zusätzliche Anforderungen an Planung und Organisation: Beteiligte Personen, Fahrzeuge, technische Systeme und betriebliche Voraussetzungen müssen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein. Gleichzeitig muss die Planung ausreichend flexibel bleiben, um auf unvorhergesehene Ereignisse während der Testdurchführung reagieren zu können.

Akzeptanzfahrt der ÖBB bei Nacht mit zwei Zügen am Bahnsteig.

Für die team bedeutete dieses Projekt weit mehr als nur die Planung und Begleitung der Testfahrten. Die team hat die Einführung von ETCS L2 mit VSS von Beginn an begleitet – von den ersten Workshops und der Definition grundlegender Rahmenbedingungen über die Ausarbeitung der Anforderungen und die Abstimmung mit dem Lieferanten bis hin zur Entwicklung der Testszenarien und schließlich zur Durchführung der Testfahrten.

Mehrwert durch integriertes Projekt- und Testmanagement

Das Projekt zeigt damit auch, welchen Mehrwert eine umfassende Begleitung komplexer Innovationsvorhaben generiert: von der ersten Idee über die Konkretisierung und Umsetzung bis zur Validierung unter realen Bedingungen. Die Expertise der team deckt dabei das gesamte Spektrum ab – von der fachlichen und technischen Konzeption über Anforderungsmanagement und Stakeholderkoordination bis hin zur Testplanung und operativen Durchführung.

Von der ersten Idee bis zur Validierung im realen Betrieb begleiteten wir die Einführung der Funktion über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg. Getreu unserem Firmenslogan: „Wir machen komplexe Vorhaben – einfach und sicher“!

Balisen für das europäische Zugsicherungssystem ETCS-Level 2

Mehr als 10.000 Balisen verbaut

Die ÖBB-Infrastruktur AG rüstet im Rahmen ihres Programms ETCS-Migration alle stark befahrenen Strecken in ihrem Netz mit dem einheitlichen europäischen Zugsicherungssystem ETCS-Level 2 aus. ETCS vereinfacht den interoperablen, grenzübergreifenden Verkehr und erhöht die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Strecken. Die team unterstützt die ÖBB bei Errichtungs- und Umbauprojekten auf Bestandsstrecken.

Die technologische Kernkomponente der Innenanlage des ETCS-Systems ist das RBC (Radio Block Center, siehe auch Ein reibungsloser Übergang, der Geschichte schreibt). Die Außenanlage besteht (neben dem GSM-R-Netzwerk) im Wesentlichen aus vielen im Gleis verlegten Transponder-Elementen, den Balisen.

Balise indoor

Balise indoor

Schienenfahrzeuge benötigen geeignete Antennen, um die Information einer Balise aufnehmen zu können. Die im ETCS-Level 2 zum Einsatz kommenden Eurobalisen sind passiv, sie benötigen keine Stromversorgung und haben einen statisch programmierten Dateninhalt. Die zur Datenübermittlung notwendige Energie kommt ebenso aus der Antenne des passierenden Schienenfahrzeugs.

Balisen in den Schienen

Balisen im Gleis

Die Montage der Balisen erfolgt auf genau definierten Positionen auf den Schwellen. Diese Positionen müssen mit der im RBC hinterlegten Projektierung übereinstimmen. Die Balisen werden mit einem Anprallschutz montiert, der sowohl den vorgeschriebenen Stolperschutz im Bahnhofsbereich als auch den mechanischen Anprallschutz erfüllt Im Zuge der verschiedenen Projekte auf der Südbahn, Westbahn und Pottendorfer Linie sowie im Netz der Wiener Schnellbahn wurde im Jahr 2025 die Anzahl von gesamt 10.000 dieser verbauten Elemente überschritten.