ILA 2026

ILA 2026: Warum Raumfahrt zur kritischen Infrastruktur wird

Die ILA 2026 in Berlin hat eines klar gezeigt: Raumfahrt ist nicht mehr nur Zukunftsthema, Forschungsfeld oder industrielles Spezialsegment. Sie ist kritische Infrastruktur geworden.

Und zwar nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Es geht um Resilienz, sichere Konnektivität, Erdbeobachtung, souveräne Lieferketten, Schutz vor neuen Bedrohungen – und um klar definierte Schnittstellen auf technischer, organisatorischer und operativer Ebene.

Gerade in den Diskussionen rund um Space, Defense, sichere Kommunikation, Counter UAS, In-Space Operations und europäische Souveränität wurde deutlich: Die entscheidenden Fragen liegen nicht mehr nur in einzelnen Technologien. Sie entstehen zunehmend dort, wo Systeme, Organisationen, Programme und Partner zusammengeführt werden müssen.

ILA 2026

Europa denkt Raumfahrt zunehmend als Systemaufgabe

Ein zentrales Bild der ILA 2026 war für mich: Space ist kein isolierter Bereich mehr.

Erdbeobachtung, sichere Kommunikation, Navigation, Defence, zivile Schutzaufgaben, industrielle Lieferketten und politische Souveränität greifen immer stärker ineinander. Raumfahrt wird damit zu einem Baustein europäischer Handlungsfähigkeit.

Der Satz „Space is not a stand-alone discipline“ bringt diese Entwicklung sehr gut auf den Punkt.

In der Praxis bedeutet das: Satelliten, Bodensegmente, Datenplattformen, Nutzerorganisationen, Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und industrielle Partner müssen zusammengedacht werden. Es reicht nicht mehr, einzelne technologische Fähigkeiten isoliert zu entwickeln. Entscheidend ist, wie sie in einem größeren Systemverbund zuverlässig funktionieren.

Interoperabilität entscheidet über Umsetzungsfähigkeit

Ein zweiter Punkt, der sich durch viele Gespräche und Panels zog: Interoperabilität.

Ob resiliente Erdbeobachtung, sichere europäische Konnektivität, In-Space Operations oder offene modulare Architekturen im Defence-Umfeld: Immer wieder ging es um Schnittstellen, Standards, Rollen, Verantwortlichkeiten und belastbare Systemarchitekturen.

Eine Aussage aus einer Session zu offenen modularen Architekturen blieb besonders hängen:
Wenn Schnittstellen nicht sauber definiert sind, lassen sich Systeme auch nicht wirklich standardisieren oder modularisieren.

Das klingt zunächst technisch. In der Umsetzung ist es aber mindestens ebenso stark eine Management- und Governance-Frage.

  • Wer legt die Schnittstellen fest?
  • Wer hält die Architektur konsistent?
  • Wie werden Anforderungen zwischen Auftraggebern, Industriepartnern, Behörden und späteren Nutzer:innen abgestimmt?
  • Wie wird verhindert, dass Modularität zwar auf Folien gut aussieht, in Beschaffung und Integration aber nicht funktioniert?

Gerade bei komplexen Technologieprogrammen zeigt sich häufig: Die technische Herausforderung ist nur ein Teil des Problems. Die eigentliche Komplexität entsteht dort, wo viele Organisationen, unterschiedliche Interessen, regulatorische Anforderungen und enge Zeitpläne aufeinandertreffen.

Geschwindigkeit braucht Struktur

Ein weiterer Schwerpunkt der ILA war die Frage, wie neue Fähigkeiten schneller in die Anwendung kommen.

Besonders deutlich wurde das bei Counter UAS, softwaredefinierten Systemen, modularen Architekturen und kurzen Innovationszyklen. Neue Bedrohungen und technologische Möglichkeiten entstehen in immer kürzeren Abständen. Gleichzeitig müssen bestehende Systeme weiter betrieben, abgesichert und nachvollziehbar integriert werden.

Das stellt Programme vor eine doppelte Herausforderung:
Einerseits müssen sie schneller werden. Andererseits dürfen sie dabei weder Sicherheit noch Qualität, Nachvollziehbarkeit oder Abnahmefähigkeit verlieren.

Kurze, iterative Entwicklungszyklen, hybride Projektmanagementansätze und modulare Systemarchitekturen können hier helfen. Sie funktionieren aber nur, wenn sie in eine klare Struktur eingebettet sind. Denn Geschwindigkeit ohne Struktur führt schnell zu Reibungsverlusten. Struktur ohne Geschwindigkeit führt dagegen zu Programmen, die an der Realität vorbeilaufen, weil sie zu stark hinterherhinken.

Die Kunst liegt darin, beide Perspektiven zu verbinden – mit pragmatischen Lösungen und hybriden Ansätzen, die Geschwindigkeit und Struktur gleichermaßen ermöglichen.

Was das für komplexe Technologieprogramme bedeutet

Die ILA 2026 hat anschaulich gezeigt, dass sich die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt nicht allein durch bessere Einzelkomponenten beantworten lassen.

Natürlich braucht es exzellente Sensorik, leistungsfähige Satelliten, sichere Kommunikationssysteme, robuste Plattformen und innovative Software. Diese Bausteine sind im europäischen Ökosystem bereits Großteiles vorhanden. Ihren Wert entfalten sie jedoch erst, wenn sie in einem beherrschbaren Gesamtsystem zusammenwirken.

Dafür braucht es Rollen, die nicht nur einzelne Produkte vertreten, sondern das Gesamtvorhaben im Blick behalten.

  • Es braucht unabhängige Systemintegration.
  • Es braucht belastbares Requirements Engineering.
  • Es braucht Qualitätsmanagement, das früh genug ansetzt und Risiken gegeneinander abwägt.
  • Es braucht Programmsteuerung, die technische, regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen zusammenführt.
  • Und es braucht Partner, die zwischen Auftraggebern, Technologieanbietern, Behörden, Betreiberorganisationen und Nutzer:innen übersetzen können.

Genau hier entsteht aus unserer Sicht in den kommenden Jahren ein wachsender Bedarf.

Wo die team ansetzt

Bei der team beschäftigen wir uns genau mit diesen Schnittstellen.

Unser Beitrag besteht nicht darin, ein weiteres Produkt in ein ohnehin komplexes Ökosystem einzubringen. Unser Beitrag liegt darin, komplexe Technologievorhaben in sicherheitskritischen Umfeldern strukturiert in die Umsetzung zu bringen.

Das bedeutet konkret:

  • Wir unterstützen Organisationen dabei, Anforderungen sauber zu erfassen, zu strukturieren und über den Projektverlauf beherrschbar zu halten.
  • Wir helfen, Rollen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zwischen Auftraggebern, Lieferanten, Systempartnern und Betreibern zu klären.
  • Wir bringen Projekt- und Programmsteuerung in Vorhaben, in denen viele Stakeholder, hohe technische Komplexität und regulatorische Anforderungen zusammenkommen.
  • Wir unterstützen bei Qualitätssicherung, Reviews, Abnahmefähigkeit und der Vorbereitung beschaffungsfähiger Strukturen.
  • Und wir verbinden Erfahrung aus sicherheitskritischen Bereichen wie Aviation, ATM, Flughafen-IT, kritischer Infrastruktur und komplexer Systemintegration mit den aktuellen Herausforderungen in Space und Defence.

Gerade dort, wo neue Fähigkeiten schnell in bestehende operative Umgebungen integriert werden müssen, ist diese Perspektive entscheidend. Denn am Ende genügt es nicht, dass eine Lösung technisch funktioniert. Sie muss auch in den Betrieb passen, sicher eingeführt werden können, regulatorisch nachvollziehbar sein und von den beteiligten Organisationen getragen werden.

Von Technologie zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit

Die wichtigste Erkenntnis der ILA 2026 ist für mich daher nicht, dass Europa mehr Technologie braucht. Das stimmt – greift aber zu kurz.

Europa braucht vor allem die Fähigkeit, Technologie wirksam umzusetzen.

Das setzt voraus, dass Partner gemeinsam arbeitsfähig werden. Schnittstellen müssen tragfähig definiert sein. Anforderungen müssen verständlich, überprüfbar und stabil genug bleiben, ohne notwendige Flexibilität zu verlieren. Programme müssen so gesteuert werden, dass Innovation möglich bleibt und zugleich Sicherheit, Qualität und Abnahmefähigkeit gewährleistet sind.

Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus guten Konzepten belastbare Fähigkeiten werden.

Unser Fazit

Raumfahrt wird zunehmend Teil europäischer kritischer Infrastruktur. Damit steigen die Anforderungen an Resilienz, Interoperabilität, Souveränität und Umsetzungsfähigkeit. Die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt werden nicht durch Technologie allein gelöst. Sie werden dort gelöst, wo viele leistungsfähige Partner gemeinsam handlungsfähig werden.

Genau dort wird unabhängige, strukturierte und qualitätsgesicherte Systemintegration immer wichtiger.

Für die team ist das ein sehr klares Handlungsfeld: Wir unterstützen Betreiber, Behörden, Systemhäuser und Industriepartner dabei, komplexe Technologieprogramme in sicherheitskritischen Umfeldern erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Von der Anforderungsbasis über Governance und Lieferantenkoordination bis hin zu Qualitätssicherung und Abnahmevorbereitung.

Damit aus technologischer Leistungsfähigkeit auch operative Wirkung wird.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

ATM – Air Traffic Management

Red Hat Openshift Container Plattform

Container Plattformen als Schlüssel zur Modernisierung kritischer Infrastrukturen

Kritische Infrastrukturen stehen unter hohem Innovationsdruck: Anwendungen müssen absolut verlässlich, hochsicher und jederzeit verfügbar sein. Container-Platt­formen haben sich genau dafür als zukunftsweisende techno­logische Basis etabliert. Mit integrierten Sicherheits­mechanismen, standardisierten Deployments, hoher Ausfallsicherheit und flexibler Skalierbarkeit ermöglichen sie einen stabilen und gleichzeitig zukunftsfähigen Betrieb – selbst dort, wo kein Fehler tolerierbar ist.

Eine der führenden Plattformen dafür ist Red Hat OpenShift. Sie vereint Entwicklung, Deployment und Verwaltung containerisierter Anwendungen in einem durchgängigen Ökosystem und baut auf der etablierten Kubernetes-Technologie auf. Unternehmen profitieren dadurch von Automatisierung, Sicherheit und einem umfassenden Toolset (OpenShift Platform Plus), das komplexe Umgebungen übersichtlich und kontrolliert hält.

Die team verfügt über langjährige Erfahrung in der Planung, Implementierung und Optimierung solcher Plattformen für Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Erfolgreiche Modernisierung: OpenShift für einen österreichischen Betreiber kritischer Infrastruktur

In einem österreichischen Unternehmen aus dem Bereich kritischer Infrastruktur hat die team die Modernisierung einer bestehenden Container Plattform umfassend begleitet, bei der OpenShift anstelle der vorhandenen OKD-Cluster-Lösung (die Open-Source-Community-Version von OpenShift) als neue Lösung implementiert wird. Dadurch konnte die IT-Infrastruktur des Kunden nicht nur auf eine neuere Version der Container-Plattform-Technologie Kubernetes aktualisiert, sondern der Support durch Red Hat und die Implementation weiterer OpenShift-Produkte ermöglicht werden.

Die team übernahm dabei die Projektleitung und kombinierte sowohl professionelles Projektmanagement als auch technische Expertise, um die Migration erfolgreich zu unterstützen – von einer Definition der Strategie sowie Planung bis zur finalen Umsetzungsbegleitung.

Komplexe Anforderungen im produktiven Betrieb

Die Modernisierung umfasste eine Vielzahl technischer und organisatorischer Aufgaben – darunter:

  • Analyse der bestehenden Systeme
  • Berücksichtigung und Bewertung von Kosten sowie Risiken
  • Sicherstellung der Interoperabilität zwischen Alt- und Neusystemen
  • Sicherstellung eines Mischbetriebs zwischen OKD- und OpenShift-Clustern
  • Aufrechterhaltung der Verfügbarkeit aller produktiven Workloads
  • Vorbereitung der Vorbedingungen wie etwa Netzwerk-, Storage- und Sicherheitsanforderungen
  • Planung der Migration „im laufenden Betrieb“ inkl. Rückfallszenarien und Minimieren der Ausfallzeit bei einer Umschaltung
  • Erstellung und Strukturierung von Prozessen
  • Koordination mehrerer regionaler Zentralen und Fachbereiche
  • Unterstützung der technischen und organisatorische Umsetzung und Migration auf OpenShift
  • Aufbau eines LifeCycle-Prozesses und Integration in „Red Hat Advanced Cluster Management for Kubernetes“ (ACM) für planbare Upgrades
  • Evaluierung und Integration weiterer OpenShift Platform Plus-Produkte

Durch ein sorgfältig geplantes Migrationsdesign konnte die Umstellung „im laufenden Betrieb“ durchgeführt werden – ein entscheidender Faktor im Umfeld kritischer Infrastruktur.

Hybrid umgesetzt: Bare‑Metal trifft Virtualisierung

Eine zentrale Entscheidung war die Wahl der passenden Architektur. Da OpenShift sowohl auf Bare Metal Servern als auch in virtualisierten Umgebungen betrieben werden kann, musste initial zwischen diesen beiden Varianten entschieden werden. Nach einer kundeninternen Analyse der infrastrukturspezifischen Rahmenbedingungen und einer genauen Bewertung der Bedürfnisse entschied sich der Kunde, dass die geeignetste Vorgehensweise darin besteht, dass das genannte OpenShift-Projekt in einem hybriden Ansatz, sowohl auf Bare-Metal-Servern als auch in virtualisierten Umgebungen (VM), umzusetzen ist.

Das Ergebnis war ein hybrides Betriebsmodell:

Worker Nodes auf Bare‑Metal

Vorteile:

  • Maximale Performance ohne Virtualisierungs‑Overhead: Da kein Virtualisierungs-Layer verwendet wird, haben die Workloads einen Zugriff auf die Leistung des Hardware-Servers.
  • Direkter Zugriff auf die Hardware‑Ressourcen: Sämtliche Komponenten bzw. Ressourcen des Servers stehen ohne Abstraktionsschicht zur Verfügung.
  • Potenziell geringere Subscription‑Kosten: Der Einsatz von Bare-Metal-Servern kann zu einer Reduktion der Subscription-Kosten führen.

Herausforderungen:

  • Aufwendigeres und komplexes Hardware-Lifecycle-Management
  • Detaillierte Planung von Redundanzen und Backup‑Konzepten

Master und Infrastructure Nodes in einer virtualisierten Umgebung

Vorteile:

  • Hohe Verfügbarkeit über VM‑Failover
  • Vereinfachte Backup‑Implementierung (z.B. mittels Snapshots)
  • Flexible Ressourcenabstraktion und Lastverteilung

Herausforderungen:

  • Virtualisierungs‑Overhead (Hypervisor)
  • Potenziell niedrigere Storage‑ und Netzwerkperformance

Die Abschätzung zwischen Bare-Metal- und virtualisierten Umgebungen zeigt, dass keine Variante grundsätzlich „besser“ ist – beide Varianten haben Stärken als auch Herausforderungen. Entscheidend sind hierbei immer die Kundenanforderungen: Performance-kritische Workloads profitieren stark von Bare-Metal, während virtualisierte Umgebungen hohe Flexibilität und Betriebsautomatisierung bieten.

Wie unterstützen wir Betreiber kritischer Infrastrukturen

Für Betreiber kritischer Infrastrukturen ist die Implementierung und der Betrieb moderner Container‑Plattformen ein notwendiger Schritt, um Stabilität, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit ihrer Systeme zu gewährleisten.

Die team begleitet solche Projekte mit:

  • sorgfältiger technischer und organisatorischer Planung
  • tiefgehender, fachlicher Expertise
  • klarer und durchgängiger Kommunikation
  • enger Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Unser Ziel: komplexe Projekte zuverlässig und effizient umzusetzen – und gemeinsam mit unseren Kunden nachhaltige, zukunftssichere IT‑Infrastrukturen zu gestalten.

 

PMI Austria Forum Day 2025

PM-Events Teil 2 – PMI Austria Forum Day 2025

Projekte meistern, wenn alles in Bewegung ist

Nachdem wir uns in der letzten Woche einer Veranstaltung von pma – Projekt Management Austria gewidmet haben, geht es heute um ein weiteres Event, dem PMI Austria Forum Day 2025 von Project Management Institute.

Der PMI Austria Forum Day 2025 fand in der Fachhoschule des bfi Wien statt und stand in diesem Jahr unter dem Motto „Mastering the Chaos: Turning Turbulence into Project Success“ – und der Titel hätte kaum besser gewählt sein können. In einer Zeit, in der globale Unsicherheiten, technologische Sprünge, geopolitische und gesellschaftliche Veränderungen immer stärker ineinandergreifen, trafen sich Projektmanager:innen, Führungskräfte und Expert:innen aus zahlreichen Branchen in Wien, um Antworten auf eine zentrale Frage zu finden: Wie navigieren wir Projekte erfolgreich durch stürmische Zeiten?

Mitten in dieser illustren Runde war ich als Vertreter der team vor Ort.

Ein kraftvoller Auftakt: Nachhaltigkeit als strategischer Leitstern – „Sustainability: Lighting the Way Through Turbulence“ (Lucila Dotto)

Die Eröffnungs-Keynote setzte gleich zu Beginn ein klares Signal. Nachhaltigkeit ist weit mehr als ein Trend – sie ist ein strategischer Orientierungsrahmen, um Komplexität zu meistern. Inmitten geopolitischer und wirtschaftlicher Turbulenzen brauchen Projekte klare Werte, mutige Entscheidungen und langfristige Ziele. Der Appell: nachhaltiges Projektmanagement bedeutet Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für Output, sondern für Impact.

Transformation in der Praxis: „Sailing Through Unknown Waters – Mastering Risk Management in Multi-Year ERP S/4HANA Journeys“ (Hannes Ruess, Stefan Müller)

Praxisnah wurden die Herausforderungen einer mehrjährigen ERP-Transformation erörtert. Die Kernbotschaft: Je komplexer das Projekt, desto entscheidender sind Stakeholder-Alignment, Transparenz und die Fähigkeit, mit unerwarteten Wendungen umzugehen. Ein professionelles ggfls. extern durchgeführtes Risikomanagement unterstützt enorm bei diesem Unterfangen.

Teamdynamik: „Turning the Ship Around: Collective Intelligence in Action“ (Christof Kier, Roman Mittendorfer)

Die Nutzung von kollektiver Intelligenz zur Transformation schwieriger Projekte stand im Mittelpunkt. Dabei unterstützen SPOTeams (Strategic Projects & Operations Teams), die das Wissen aus dem gesamten Unternehmen bündeln, um Krisenprojekte zu stabilisieren. Erfolgsfaktoren in SPOTeams sind ein gemeinsames Zielverständnis, offene Kommunikation, Balance zwischen Struktur und Freiheit, eine Kombination aus intrinsischer Motivation und praktischer Umsetzung und direkte Kommunikationskanäle zum Vorstand bzw. Nutzung von KI-Unterstützung. Kollektive Intelligenz und flexible Teamstrukturen ermöglichen hohe Effektivität und nachhaltige Lernerfolge auch in chaotischen Zeiten im Projekt.

PMI Austria Forum Day 2025
© PMI Austria Forum Day 2025

Der strategische Projektmanager: Neue Rollen in einer datengetriebenen Welt – „The Rise of the Strategic Project Manager“ (Istvan Görgei, Junior Soma)

Es ging sogar noch einen Schritt weiter und es wurde das Bild eines neuen Rollenverständnisses gezeichnet: Projektmanager:innen werden zunehmend strategische Dirigenten:innen, die Markttrends, Business-Ziele und technische Möglichkeiten zusammenführen. KI integriert in bestehenden Systemen und Echtzeitdaten erweitern die Perspektive in chaotischen/komplexen Situationen – ersetzen aber nicht den menschlichen Überblick.

Power Skills: „Leading Through Chaos: Power Skills for Project Success in a VUCA World“ (Ike Nwankwo)

Die End-Keynote lieferte den emotionalen Abschluss und erinnerte daran, dass in einer VUCA-Welt1 technische Fähigkeiten nicht ausreichen. Gefragt sind Power Skills:

  • Kommunikation – Klarheit und Vertrauen schaffen
  • Problemlösung – Ursachen analysieren, kreativ Lösungen entwickeln
  • Kollaborative Führung – Einfluss statt Autorität, Vertrauen und psychologische Sicherheit
  • Strategisches Denken – Projekte mit Unternehmenszielen verbinden
  • Emotionale Intelligenz – Empathie, Selbstreflexion und Motivation und Anpassungsfähigkeit, um flexibel auf Veränderungen reagieren.

Fähigkeiten, die Teams stärken und Herausforderungen in Chancen verwandeln.

Der PMI Austria Forum Day 2025 zeigte eindrucksvoll, dass Projektmanagement heute mehr bedeutet als Planung und Steuerung. Es geht um Gestaltung, Führung und die Fähigkeit, in turbulenten, chaotischen Situationen klare Wege zu finden.

Was bleibt für mich?

Eine starke Botschaft – Chaos ist nicht das Ende eines Projekts – es ist oft sein (Neu-)Anfang. Wer lernen will, es zu beherrschen, findet darin ungeahnte Chancen und wir Projektleiter der team haben durch unsere Ausbildung und Erfahrung großes Potential eine führende Rolle in diesem Prozess einzunehmen.

  1. Die VUCA-Welt beschreibt eine komplexe Realität, die von Volatilität, Unsicherheit, Complexity (Komplexität) und Ambiguität (Mehrdeutigkeit) geprägt ist. ↩︎
pma focus day 2024

PM-Events Teil 1 – pma focus 2025: Dialog statt Konfrontation

Brücken bauen im Projekt­management

Erfolgreiches Projekt­manage­ment hat viel mit Vernetzung zu tun – in dieser Serie berichten wir über spannende Veranstaltungen im Bereich Projekt­management. Den Auftakt macht der pma focus 2025 von Projekt Management Austria, der im Oktober im Austria Center Vienna statt fand.

Am pma focus day 2025 diskutierten knapp 1.000 Projekt­manager:innen aus ganz Österreich über eine zentrale Frage: Wie schaffen wir den Schritt vom Gegeneinander zu mehr Miteinander? In einer Welt, die von Polarisierung und globalen Spannungen geprägt ist, wird Verständigung zur Schlüssel­kompetenz – auch und gerade im Projekt­management.

Projekte als Spiegel der Gesellschaft

Projekte sind mehr als nur Arbeitsaufträge. Sie sind ein Abbild unserer Gesellschaft und zeigen, wie Kooperation gelingen kann. Doch Brücken entstehen nicht von selbst. Sie brauchen ein stabiles Fundament – und dieses Fundament sind die Menschen im Projektteam.

In Projektteams bringt jedes Mitglied aufgrund seines Alters – und damit seiner Generationenzugehörigkeit – unterschiedliche Eigenschaften mit. Der Bogen spannt sich von den beruflich auslaufenden Babyboomern (Geburtsjahr ca. 1950 +/- 9 Jahre) bis zur Generation Z (ab 2000) – ein Zeitraum von rund vier Jahrzehnten. Diese Vielfalt führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Auffassungen und kann Konfliktpotenzial bergen.

Das Lebensalter beeinflusst nicht nur den Zugang zu Projekten, sondern auch die Interaktionen im Team und die Art der gesetzten Handlungen. Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen Generation X (ca. 1970 +/- 9 Jahre), die häufig als „Workaholics“ gelten, und der Generation Z, die oft als „arbeitsscheu“ bezeichnet wird. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht, wie unterschiedlich Erwartungen und Herangehensweisen in Projekten sein können.

© pma.at | pma focus 2025 Rückblick

Wertvoller Zugewinn von Wir-Intelligenz

So unterschiedlich die Ausprägungen der einzelnen Generationen sind, desto wertvoller kann diese Vielfalt für Projekte sein. Ein zentraler Ansatz dafür ist die Nutzung der Wir-Intelligenz. Ihre Grundlage ist Empathie – die Fähigkeit, andere Teammitglieder wahrzunehmen, sich auf sie einzulassen und jeder Perspektive ihre eigene Wahrheit zuzugestehen.

Auf dieser Basis gelingt es Projektteams, komplexe Aufgaben kreativ zu lösen und sich flexibel auf neue Situationen einzustellen. Wir-Intelligenz beginnt mit Ich-Bewusstsein – und wächst dort, wo wir achtsam zuhören und gemeinsam handeln. Wenn das Umfeld so gestaltet ist, dass sich alle einbringen können, entstehen nachhaltige Lösungen. In einer Speedsession von Caroline Rotter mit dem Titel „Mehr Wir, weniger Ich: Der Weg vom Schlagabtausch zum Dialog„, haben wir dieses Thema vertieft und aufgebarbeitet.

Erfolgreiches Projektmanagement bedeutet: Brücken bauen statt Mauern errichten – durch echten Dialog. Der pma Focus Day 2025 hat gezeigt, wie vielfältig Projektmanagement ist und dass reine Kommunikation im Team nicht ausreicht.

Erst wenn wir in Dialog treten, um unsere Projektmitglieder wirklich zu verstehen, können wir kreative und nachhaltige Lösungen erzielen. Ein Ansatz den wir bei der team verfolgen und leben.

Mehr Infos zur Veranstaltung, den Vorträgen und den Speed Sessions, finden sich auf der offiziellen Seite des Projekt Management Austria Events pma focus 2025.

Entry Exit System (EES) am Flughafen Wien

Digitaler Grenzschutz: Neues Entry-Exit-System (EES)

Die team begleitet die Einführung des EU Entry-Exit-Systems am Flughafen Wien

Ein Meilenstein für die europäische Grenzsicherheit – mit technischer Expertise der team

Mit dem Start des neuen Entry-Exit-Systems (EES) der EU am Flughafen Wien-Schwechat beginnt ein neues Kapitel im digitalen Grenzmanagement. Das EES ist ein automatisiertes IT-System zur biometrischen und alphanumerischen Erfassung von Drittstaatsangehörigen, die einen Kurzaufenthalt (bis zu 90 Tage) im Schengen-Raum planen. In Österreich betrifft die Einführung ausschließlich internationale Flughäfen und Flugplätze. (siehe BMI: Entry/Exit-System – EES)

Ziel ist es, die Ein- und Ausreise effizienter und sicherer zu gestalten. Die team wurde mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut, die technische Umsetzung dieses hochkomplexen Systems zu begleiten und sicherzustellen.

Unsere Leistungen im Projekt

Die Einführung des EES stellte hohe Anforderungen an die IT-Infrastruktur, Systemintegration und Projektorganisation. Die team übernahm zentrale Aufgaben in folgenden Bereichen:

Projektleitung

  • Steuerung des Projektablaufs
  • Termin- und Kostenplanung inkl. Vorbereitung von Verhandlungen
  • Koordination aller Stakeholder sowie interner und externer Softwareentwickler

Anforderungsmanagement

  • Erhebung, Validierung und Dokumentation technischer Anforderungen
  • Durchführung von Workshops zur Bedarfsklärung
  • Erstellung und Pflege von Change Requests (CRs)

Testmanagement

  • Ableitung und Durchführung von Testfällen
  • Koordination manueller und automatisierter Tests
  • Fehleranalyse und Dokumentation

Releasemanagement

  • Planung und Umsetzung mehrerer Release-Zyklen
  • Vor-Ort-Betreuung am Flughafen während der Rollouts

Kundensupport & Schulung

  • Aufbau und Leitung der Anwenderbetreuung
  • Einrichtung effizienter Supportstrukturen
  • Erstellung von Lösungsdokumentationen und Schulungsunterlagen
  • Durchführung von Schulungseinheiten

Technische Herausforderungen

Die Komplexität des Projekts lag insbesondere in folgenden Bereichen:

  • Datenschutzkonforme Verarbeitung biometrischer Daten
    Speicherung und Übermittlung sensibler Informationen gemäß EU-Vorgaben
  • Systemkompatibilität mit nationalen und EU-weiten Datenbanken
    Integration mit zentralen Systemen wie VIS (Visa Information System) und SIS (Schengen Information System)
  • Hohe Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit
    Sicherstellung eines unterbrechungsfreien Betriebs – auch bei hohem Passagieraufkommen
  • Benutzerfreundlichkeit trotz Komplexität
    Intuitive Bedienbarkeit der Selbstbedienungsanlagen für alle Reisenden
  • Skalierbarkeit für zukünftige Erweiterungen
    Konzeption der Lösung für eine rasche Ausrollung an weiteren Flughäfen

Erfolgreicher Start in Schwechat

Der Probebetrieb begann am 12. Oktober 2025 am Flughafen Wien-Schwechat – als erster Standort in Österreich. Weitere Flughäfen wie Salzburg, Innsbruck und Graz folgen in den kommenden Wochen.

Das EES ersetzt die manuelle Passkontrolle durch ein automatisiertes System, das biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Gesichtsbild erfasst und EU-weit vernetzt ist. Damit wird nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die Effizienz der Grenzkontrollen deutlich verbessert.

Die team unterstützte die Projektpartner bei der Integration von rund 110 Selbstbedienungsanlagen zur Vorregistrierung sowie etwa 280 Grenzkontrollkojen österreichweit. Unsere Expert:innen waren maßgeblich an der IT-Architektur, der Systemintegration und der Qualitätssicherung beteiligt – insbesondere bei der Abstimmung mit EU-weiten Standards und der Sicherstellung der Datenschutzkonformität.

Mit dem erfolgreichen Start in Schwechat zeigt sich: Die Digitalisierung der Grenzkontrollen ist technisch umsetzbar – und die team trägt dazu bei, dass sie auch zuverlässig funktioniert. Wir freuen uns, unsere Expertise in kritischen Infrastrukturen in dieses zukunftsweisende Projekt eingebracht zu haben.

Mehr zur erfolgreichen Einführung in Österreich:

Glossar

EES – Entry/Exit-System (Einreise-/Ausreisesystem)
VIS – Visa Information System
SIS – Schengen Information System

Global Navigation Satellite System-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

Herausforderungen und Lösungsansätze

Anknüpfend an unseren Blogbeitrag zum NAVIS Workshop vom 29. Jänner 2025 in Wien, beschäftigen wir uns in diesem Blogbeitrag mit den potenziellen Auswirkungen sowie möglichen Lösungsansätzen, die durch die heutige GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen besteht.

Wenn GPS/Galileo ausfällt: Die verborgenen Risiken für unsere kritischen Systeme

In der heutigen Welt ist die Befriedigung unserer Bedürfnisse stark von der Verfügbarkeit von GNSS (GPS/Galileo) abhängig. Doch in Zeiten multipler Krisen können wir nicht davon ausgehen, dass diese Systeme unter allen Umständen fehlerfrei funktionieren.

Vielleicht denken Sie: „Was ist schon dabei? Ich nehme einfach eine Papierkarte.“ Doch der Ausfall von GNSS betrifft weit mehr als nur die Navigation. So ist beispielsweise das Stromnetz—eine Schlüsselkomponente kritischer Infrastruktur—auf GNSS für präzise Zeitsynchronisation angewiesen. Ohne diese Synchronisation riskieren wir großflächige Blackouts.

GNSS-Ausfälle können durch Jamming (z. B. mit kleinen tragbaren Geräten) oder Spoofing verursacht werden und gefährden essenzielle Systeme und Dienste, darunter:

  • Stromnetze: Sie sind abhängig von GNSS für die Zeitsynchronisation, die für die Netzstabilität, die Koordination von Kraftwerken und die schnelle Fehlererkennung unerlässlich ist.
  • Mobilfunknetze: Sie benötigen präzise Zeitstempel für einen nahtlosen Betrieb.
  • Verkehrssysteme: Sie setzen auf präzise GNSS Daten für Koordination und Sicherheit.
  • Rechenzentren & Cloud-Dienste: Sie sind auf GNSS-basierte Zeitsynchronisation angewiesen, um die Integrität von Datenbanken, verteiltes Rechnen und sichere Transaktionen zu gewährleisten; Störungen können zu Datenkorruption, fehlgeschlagener Authentifizierung und Ausfällen in kritischer digitaler Infrastruktur führen.
  • Finanzmärkte: Sie verlassen sich auf genaue Zeitstempel, um die korrekte Reihenfolge von Handelsaufträgen sicherzustellen.
  • Rettungsdienste: Sie sind abhängig von präzisen Orts- und Zeitangaben, um effektiv zu reagieren.
  • Landwirtschaft: GNSS ermöglicht präzise Maschinensteuerung und effiziente Landwirtschaft; Ausfälle können Erträge und Betriebsabläufe beeinträchtigen.
  • Militärische Operationen: Sie setzen auf GNSS zur Koordination von Truppenbewegungen, Logistik und präziser Zielerfassung; Ausfälle können Operationen stören und die Lageeinschätzung beeinträchtigen.
Global Navigation Satellite System-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

NAVISP und FORTE: Lösungen für mehr Resilienz

Das NAVISP-Programm der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) geht diese Schwachstellen direkt an, indem es Technologien fördert, die Positionierung, Navigation und Timing (PNT) unabhängig von GNSS und widerstandsfähiger machen. Zudem unterstützt es innovative GNSS-Anwendungen, beispielsweise für das autonome Fahren.

Zusammenfassend konzentriert sich NAVISP auf:

  • Die Entwicklung von Alternativen zu GNSS, wie terrestrische Zeitsynchronisations- und Positionierungsnetze, inertiale Navigation und hybride Systeme.
  • Die Erhöhung der Verfügbarkeit von GNSS durch fortschrittliche Erkennung und/oder Unterdrückung von Jamming und Spoofing.
  • Die Förderung von Innovationen im Bereich PNT-Technologien für Mobilität, Infrastruktur und resiliente Kommunikation.

Durch die Integration von GNSS mit ergänzenden Systemen sorgt NAVISP für robuste Leistung, selbst in herausfordernden Umgebungen wie dicht besiedelten Städten oder Gebirgsregionen.

Neben der finanziellen Fördermöglichkeit treten im Rahmen von NAVISP regelmäßig Infrastrukturbetreiber, Experten, Forschungseinrichtungen und ESA-Vertreter zusammen, um neueste Technologien für resilientes PNT zu erkunden, Herausforderungen in Mobilitäts- und Infrastruktursystemen zu diskutieren und gezielt Projektideen für das NAVISP-Programm mit ESA-Experten zu entwickeln. Siehe dazu auch unseren Blogbeitrag zum NAVIS Workshop vom 29. Jänner 2025 in Wien.

Das Forschungsprogramm FORTE (Forschungs- und Technologiewesen) des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV) trägt ebenfalls zur Stärkung der PNT-Resilienz bei und verfolgt einen strategischen Ansatz im Umgang mit GNSS-Technologien.

Wie wir Sie unterstützen können

Als erfahrenes Beratungsunternehmen für IT in kritischen Infrastrukturen helfen wir Unternehmen, sich an die sich wandelnden Herausforderungen und Regularien in diesem Bereich anzupassen. Von der Analyse bestehender IT-Infrastrukturen bis hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen helfen wir Ihnen, Innovationen nahtlos in Ihre Prozesse zu integrieren und bestehende Schwachstellen gezielt zu beheben.

Dank unserer branchenübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen Schienenverkehr, Straßenverkehr, Luft- und Raumfahrt liefern wir Ihnen praxisnahe und nachhaltige Lösungen zur Stärkung Ihrer kritischen Infrastruktur. Zudem prüfen wir, ob Sie von Fördermöglichkeiten profitieren können – etwa aus FFG-Forschungsprogrammen, Verteidigungsforschungsprogrammen oder ESA-Programmen – und beraten Sie dabei gerne.

Gemeinsam mit Ihnen gestalten wir eine zukunftsfähige und resiliente Infrastruktur, die den Anforderungen von heute und morgen gerecht wird.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

IRIS² – Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite
Eine geplante europäische Satellitenkonstellation zur Sicherstellung sicherer und unabhängiger Kommunikations- und Navigationsdienste

NAVISP – Navigation Innovation and Support Program
Ein ESA-Programm zur Förderung innovativer Technologien im Bereich PNT. Ziel ist es, innovative Anwendungen für PNT voranzutreiben sowie Europas Resilienz und Unabhängigkeit in der Navigation zu stärken.

PNT – Positioning, Navigation, Timing
Die drei wesentlichen Funktionen von Navigationssystemen: Positionsbestimmung (Wo bin ich?), Navigation (Wie komme ich ans Ziel?) und Zeitmessung (Synchronisation von Netzwerken und Systemen).

ESA NAVISP Workshop in Wien

Schutz kritischer Infrastrukturen, wenn GPS oder Galileo ausfällt

Am 29. Jänner 2025 veranstalteten das BMK, die ESA, Austriatech und die FFG einen Workshop zur Stärkung wichtiger Technologien, die für die Resilienz von kritischen Infrastrukturen und die Zukunft der Mobilität unerlässlich sind. Die Veranstaltung war Teil des ESA-NAVISP-Programms, und brachte Infrastrukturbetreiber, Experten, Forschungseinrichtungen und ESA-Vertreter zusammen. Das Ziel dabei war, neueste Technologien für resilientes PNT zu erkunden, Herausforderungen in Mobilitäts- und Infrastruktursystemen zu diskutieren und gezielt Projektideen für das NAVISP-Programm mit ESA-Experten zu entwickeln.

Günter Graf (Frequentis)

Workshop Highlights: “Pole Position with Satellite Navigation”

Der Workshop betonte die immens wachsenden Anwendungsfelder für Satellitennavigation (GPS, Galileo, und GNSS allgemein) und die Bemühungen, kritische Infrastrukturen zu stärken sowie neue zu schaffen. Es geht darum, Europas Resilienz und Unabhängigkeit zu sichern – auch in Österreich. Ein Ausfall von GNSS ist längst kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein reales Szenario mit potenziell schwerwiegenden Folgen, etwa einem flächendeckenden Stromausfall in Europa. Angesichts neuer Infrastrukturprojekte und der notwendigen Anpassung bestehender Systeme wie Stromnetze und Verkehrsnetze ergaben sich folgende Kernpunkte.

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Wachsende Sensibilisierung für GNSS-Schwachstellen: Europas Fokus verlagert sich von bloßer Leistungssteigerung hin zur Sicherstellung von Verfügbarkeit und Resilienz, wobei Jamming und Spoofing als zentrale Bedrohungen gelten.
  • Österreichs wichtige Rolle bei GNSS-Anwendungen: Neben der Luftfahrt setzen österreichische Verkehrssysteme auf der Straße und auf der Schiene zunehmend auf GNSS. Die nächsten Schritte sind die Skalierung und großflächige Implementierung. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten in der Entwicklung von Anti-Jamming- und Spoofing-Technologien, wodurch Österreich sich beispielsweise mit OHB Austria als wichtigem Akteur in diesem Bereich positioniert.
  • Weltraum als strategischer Schlüsselbereich: Kein Land kann es sich leisten, den Weltraum zu vernachlässigen. Auch kleinere Staaten wie Österreich investieren verstärkt in eigene Raumfahrtinfrastrukturen, um sich gegen aktuelle und zukünftige weltraumgestützte Systeme abzusichern.
  • Großflächige Timing-Infrastruktur zur Absicherung gegen GNSS-Ausfälle: Auf europäischer Ebene entstehen konkrete Projekte für eine robuste, glasfaserbasierte Timing-Infrastruktur. Großbritannien führt in diesem Bereich, während Teile Kontinentaleuropas nachziehen. Dies soll die Basis für zukünftige PNT-Entwicklungen bilden.
  • Alternative PNT-Konzepte am Boden und/oder im Weltraum: Neue Lösungen, darunter die IRIS²-Initiative, befinden sich in der Entwicklung. Jede terrestrische Umsetzung sollte dabei auf einer stabilen Timing-Infrastruktur aufbauen.
  • Aufstieg der Indoor-Lokalisierung: Während die Fußgängernavigation nicht im Fokus steht, gewinnt Indoor-Positionierung besonders für industrielle Automatisierung und smarte Fertigung stark an Bedeutung.
NAVISP Konferenz 2025
Pierluigi Mancini (European Space Agency)

Wie die team Sie unterstützen kann

Als erfahrenes Beratungsunternehmen für IT in kritischen Infrastrukturen helfen wir Unternehmen, sich an die sich wandelnden Herausforderungen und Regularien in diesem Bereich anzupassen. Von der Analyse bestehender IT-Infrastrukturen bis hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen helfen wir Ihnen, Innovationen nahtlos in Ihre Prozesse zu integrieren und bestehende Schwachstellen gezielt zu beheben.

Dank unserer branchenübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen Schienenverkehr, Straßenverkehr, Luft- und Raumfahrt liefern wir Ihnen praxisnahe und nachhaltige Lösungen zur Stärkung Ihrer kritischen Infrastruktur. Zudem prüfen wir, ob Sie von Fördermöglichkeiten profitieren können – etwa aus FFG-Forschungsprogrammen, Verteidigungsforschungsprogrammen oder ESA-Programmen – und beraten Sie dabei gerne.

Gemeinsam mit Ihnen gestalten wir eine zukunftsfähige und resiliente Infrastruktur, die den Anforderungen von heute und morgen gerecht wird.

Sie möchten mehr über dieses Thema wissen? In einem weiteren Blogbeitrag werden wir in Kürze die GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen, deren potenzielle Auswirkungen sowie mögliche Lösungsansätze genauer beleuchten.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

IRIS² – Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite
Eine geplante europäische Satellitenkonstellation zur Sicherstellung sicherer und unabhängiger Kommunikations- und Navigationsdienste

NAVISP – Navigation Innovation and Support Program
Ein ESA-Programm zur Förderung innovativer Technologien im Bereich PNT. Ziel ist es, innovative Anwendungen für PNT voranzutreiben sowie Europas Resilienz und Unabhängigkeit in der Navigation zu stärken.

PNT – Positioning, Navigation, Timing
Die drei wesentlichen Funktionen von Navigationssystemen: Positionsbestimmung (Wo bin ich?), Navigation (Wie komme ich ans Ziel?) und Zeitmessung (Synchronisation von Netzwerken und Systemen).

NIS-2-Richtline – Praktische Lösungsansätze

Die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie ist für Unternehmen eine bedeutende Herausforderung, aber auch eine wertvolle Gelegenheit zur Verbesserung der IT-Sicherheit. Um diesen Prozess strukturiert anzugehen, sollten Unternehmen eine klare Vorgehensweise wählen.

Die Strukturanalyse

Der erste Schritt bei der praktischen Umsetzung sollte – falls noch nicht geschehen – eine gründliche Strukturanalyse aller Assets und Prozesse im Unternehmen sein. Unter Assets werden dabei jegliche Ressourcen, wie Daten, Systeme, Infrastruktur und personelle Ressourcen verstanden. Diese Analyse ist entscheidend, um ein umfassendes Verständnis für die vorhandenen Assets, Prozesse und deren Kritikalität zu entwickeln. Die Identifikation und Klassifizierung der Assets ermöglicht es, gezielt auf die spezifischen Sicherheitsbedürfnisse des Unternehmens einzugehen.

Die GAP-Analyse

Sind die Assets und Prozesse im Unternehmen erfasst, erfolgt eine detaillierte GAP-Analyse. Diese hilft Unternehmen dabei, die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen und -prozesse im Unternehmen zu bewerten und festzustellen, wo Lücken im Hinblick auf die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie bestehen. Auf dieser Basis kann eine erste Aufwandsschätzung für die notwendigen Anpassungen und Verbesserungen erstellt werden.

Die Risikoanalyse und Maßnahmen

Aufbauend auf den Ergebnissen der Struktur- und GAP-Analyse sollte eine Risikoanalyse erfolgen. Hierbei werden potenzielle Bedrohungen und Schwachstellen identifiziert und bewertet, um die Sicherheitslage des Unternehmens realistisch einzuschätzen. Diese Analyse ist der Schlüssel zur Priorisierung der Sicherheitsmaßnahmen und der Ressourcenzuteilung. Die Erkenntnisse aus der Risikoanalyse dienen als Grundlage zur Ableitung passender Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage. Bei der Planung dieser Maßnahmen sollte jedenfalls der Stand der Technik, die Kosten der Umsetzung und die Verwendung internationaler oder europäischer Normen berücksichtigt werden. Die gesetzten Maßnahmen sollten also verhältnismäßig sein.

Für Unternehmen, mit einem Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) nach ISO/IEC 27001, ist es sinnvoll, eine ergänzende GAP-Analyse durchzuführen, um die bestehenden Maßnahmen im Hinblick auf die NIS-2-Anforderungen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Anforderungen der ISO/IEC 27001 Norm nur für den selbst gewählten Anwendungsbereich gelten, während der Anwendungsbereich der NIS-2-Richtlinie vorgegeben ist.

Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung

Ein Erfolgsfaktor bei der Durchführung der Struktur-, GAP- und Risikoanalyse zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie ist die Einbindung externer Beratungsunternehmen. Diese Experten bringen wertvolles Fachwissen, Erfahrung und Best Practice Ansätze ein, um die Analyseprozesse gezielt und effektiv zu unterstützen. Mit ihrer Expertise helfen sie dabei, maßgeschneiderte und dem Stand der Technik entsprechende Sicherheitslösungen zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern können die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie effizienter erfüllt, interne Ressourcen entlastet und die allgemeine Cybersicherheit kontinuierlich verbessert werden.

Wir laden Sie ein, sich aktiv an der Diskussion über Ihre Erfahrungen und Herausforderungen bei der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie zu beteiligen. Haben Sie bereits Maßnahmen ergriffen oder benötigen Sie Unterstützung? Kontaktieren Sie uns – unsere teamExperten:innen stehen bereit, um Ihnen mit individuellem Rat und maßgeschneiderten Lösungen zur Seite zu stehen.

Weitere Artikel zum Thema NIS-2-Richtline

NIS-2-Richtlinie
NIS-2-Richtline – Was muss ich tun?

Die NIS2-Richtlinie sollte bis 17. Oktober 2024 in den EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Dies wird in den meisten EU-Mitgliedstaaten nicht gelingen und verschafft den betroffenen Unternehmen und Einrichtungen mehr Zeit für die Vorbereitung. Welche Sektoren konkret betroffen sind, haben wir bereits im ersten Beitrag zum Thema „NIS-2-Richtline – ab morgen gemeinsam sicher in die Zukunft“ samt ihrer Kritikalität aufgezeigt. Die NIS-2-Richtlinie schreibt jedoch … Weiterlesen …
EU Cybersecurity - NIS-2-Richtlinie
NIS-2-Richtline – Ab morgen gemeinsam sicher in die Zukunft

Am 17. Oktober endet die Frist zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie der EU, die das Ziel verfolgt, die Cybersicherheit in kritischen Sektoren wie Energie, Gesundheit und Transport zu stärken. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind oder deren Lieferketten unterstützen, sollten sich auf neue Anforderungen einstellen. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem die Verbesserung der Netzwerksicherheit, Schulungen für Mitarbeiter:innen sowie die Verpflichtung, Sicherheitsvorfälle zu melden. Auch … Weiterlesen …
pma focus day 2024

pma focus 2024 – das Projekt Zukunft

Der pma focus day 2024, der am 17. Oktober im Austria Center Wien unter dem Motto „Projecting Future/s – mit Projektmanagement die Welt verbessern“ stattfand, zeigte eindrucksvoll, wie Projektmanagement angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen zur Gestaltung einer besseren Zukunft beitragen kann. Rund 1.000 Teilnehmer:innen, darunter eine Delegation der team, kamen zusammen, um über das Potenzial von Projektmanagement in einer von politischem, wirtschaftlichem und ökologischem Wandel geprägten Welt zu diskutieren.

Die Keynote der Zukunftsforscherin Oanna Horx-Strathern bot dabei wertvolle Einblicke in kommende Entwicklungen und Trends. Sie betonte, dass Projektmanagement trotz des technologischen Fortschritts eine menschliche Domäne bleibt.

© Martin Kummernecker mit Markus Winkler und Andreas Pölzl

Zusammengefasst nachfolgend einige wesentliche Schwerpunkte vom pma focus day 2024:

  1. Systeme als Unterstützung des Menschen: KI und PM-Software eröffnen neue Möglichkeiten in der Analyse, Prognose und grafischen Aufbereitung von Reports, die den Projektmanager signifikant entlasten. Dennoch bleibt die Entscheidungsgewalt beim Menschen. Die Systeme bieten Daten und Interpretationen, aber die Entscheidungen selbst und das Eingehen auf soziale Nuancen können sie nicht ersetzen.
  2. Berücksichtigung generationenübergreifender Anforderungen: Die Diversität der Generationen – von Generation X bis zur neuen Generation Alpha – stellt neue Anforderungen an das Projektmanagement. Die Einbeziehung der verschiedenen Stärken und Perspektiven dieser Altersgruppen bietet eine Chance, innovativer und flexibler auf Projektherausforderungen zu reagieren. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn das Projektmanagement versteht, die Vorteile der verschiedenen Generationen und Arbeitsmodelle zum Projekterfolg zu nutzen.
  3. Die unersetzliche Rolle menschlicher Entscheidungen: Trotz des technologischen Fortschritts bleibt die finale Entscheidungsverantwortung beim Projektmanager. KIs können Entscheidungsgrundlagen bieten, doch die „Social Skills“, die für den Projekterfolg essenziell sind, bleiben vorerst menschlich. Gerade die intergenerationelle Zusammenarbeit wird in Zukunft eine besondere Herausforderung darstellen.
  4. Die Bedeutung der Vorbereitung: Gute Entscheidungen basieren auf einer gründlichen Vorbereitung. Es gilt, ausreichend Zeit in die Planungs- und Analysephasen zu investieren, um qualitativ hochwertige Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Dies zeigt, dass neben Technologie auch strategische Zeitplanung entscheidend für den Erfolg eines Projekts ist.
  5. Erfolg als Kombination aus Glück und fundierten Entscheidungen: Ein zentrales Fazit war, dass der Projekterfolg auch in Zukunft durch menschliche Erfahrung und Intuition geprägt sein wird. KI und Software werden das Projektmanagement unterstützen, aber die Fähigkeit zur klugen und weitsichtigen Entscheidungsfindung bleibt auch in nächster Zeit menschlich.
  6. Nachhaltigkeit: War bisher das magische Dreieck (Qualität-Zeit-Budget) ein wesentlicher Performance Indikator, so zeigt sich, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ künftig einen wesentlichen Anteil daran einnimmt, wie Projekte zu bewerten sind. Projekterfolg bedeutet daher nicht nur möglichst rasch und kostengünstig die Projektziele zu erreichen, sondern Projekte umzusetzen, die einen nachhaltig positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft aufweisen.

Der pma focus day 2024 zeigte, dass auch in einer digitalen Zukunft der Mensch sowie die Nachhaltigkeit des Projekts im Mittelpunkt des Projektmanagements stehen werden. Als die team legen wir besonderen Wert darauf, dass der Kunde im Mittelpunkt steht und mit uns gemeinsam nachhaltige Projekte umgesetzt werden. Darüber hinaus ist uns eine nachhaltige Beziehung zu unseren Kunden besonders wichtig.

© pma.at | pma focus 2024 Rückblick
Information Security Management System (ISMS)

Information Security Management System (ISMS)

Sicherheit als zyklischer Prozess

Die team unterstützt als herstellerunabhängiges Beratungsunternehmen Kunden aus dem Bereich der kritischen Infrastrukturen. Diese Unternehmen sehen sich durch den digitalen Wandel und die damit einhergehende Ausdehnung von Angriffsvektoren immer mehr gezwungen, die Sicherheit ihres Betriebs zu erhöhen und zu modernisieren. Zusätzlich fordern Regularien wie die NIS-2-Richtlinie strengere Maßnahmen und somit eine Erhöhung des Sicherheitsniveaus in diesen Sektoren. Es wird demnach wichtiger denn je, die Informationssicherheit hinter ein strukturiertes und anpassbares Managementsystem zu stellen, welches adaptiv für neue Bedrohungen und Vorgaben bleibt.

In diesem Artikel möchte ich den PDCA-Zyklus als Grundlage für den Aufbau eines adaptiven Information Security Management System (ISMS) vorstellen.

PDCA-Zyklus

Der PDCA-Zyklus – auch Deming-Kreis genannt – ist ein Modell zur Prozess- und Produktoptimierung. Namensgebend sind hierbei dessen vier Phasen: PLAN – DO – CHECK – ACT (PDCA). Entwickelt wurde das Modell vom amerikanischen Statistiker und Physiker William Edwards Deming, welcher damit das Qualitätsmanagement maßgeblich beeinflusste.

Startschuss

Um Informationssicherheit systematisch im gesamten Unternehmen umsetzen und sicherstellen, müssen alle notwendigen Ressourcen (inkl. Budget) durch das Management bereitgestellt werden. Ein eindeutiges Bekenntnis der Unternehmensführung zur Implementierung eines präventiven ISMS ist für die erfolgreiche Umsetzung unerlässlich. Dazu muss ein Sicherheitsprozess ins Leben gerufen werden und im Zuge dessen, die exakten Rollen und Verantwortlichkeiten sowie deren Geltungsbereich definiert und das übergeordnete Ziel „Informationssicherheit“ festgelegt werden.

Plan – Planung

Zur Festlegung des Geltungsbereichs wird in der ersten Phase des Zyklus mit einer Bestandsaufnahme der eigenen Assets, Informationssysteme und Prozesse begonnen. Es sollte die Kritikalität der erhobenen Prozesse eruiert werden, um den Schutzbedarf der für diese Prozesse wichtigen Assets festzustellen. Anhand der erhobenen Informationen erfolgt nun im nächsten Schritt eine Risikoanalyse. Hierbei werden mögliche Bedrohungen und Schwachstellen der einzelnen Assets anhand deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung oder Schadenshöhe untersucht. So erhält das Unternehmen am Ende eine Einschätzung, welche Risiken – etwa aufgrund der zu erwartenden Schadenshöhe – vertretbar sind und welche unbedingt adressiert werden müssen.

Für jedes ermittelte Risiko kann nun – in Absprache mit dem Management – entschieden werden, ob das Risiko akzeptiert, transferiert, oder durch den gezielten Einsatz von Maßnahmen minimiert oder gänzlich vermieden werden soll.

Hinweis: Die finale Handhabung eines Risikos obliegt, zumindest im KMU-Bereich, der Geschäftsführung. Die für das ISMS zuständigen Personen sind lediglich für die Aufarbeitung und die Aufklärung der Geschäftsführung zuständig.

Zum Abschluss dieser Phase werden, auf den Ergebnissen der Risikoanalyse basierend, konkrete Maßnahmen festgelegt.

Do – Umsetzung

In der zweiten Phase des Zyklus werden diese beschlossenen Maßnahmen in die Praxis umgesetzt. Eine sorgfältige und umfassende Dokumentation der implementierten Maßnahmen ist in dieser Phase von besonderer Wichtigkeit. Die zu implementierenden Maßnahmen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Eine, für die meisten Einrichtungen anwendbare Maßnahme ist die Schulung von Mitarbeiter:innen hinsichtlich der IT-Sicherheit.

Studien und vergangene Sicherheitsvorfälle zeigen klar, dass der Mensch weiterhin die größte „Sicherheitslücke“ in Unternehmen darstellt. Dies bekräftigt auch der aktuelle Threat Landscape Bericht der ENISA11. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise die Vergabe von user- oder gruppenspezifischen Zugangsberechtigungen oder die Ausarbeitung von Prozessen hinsichtliches des Patchmanagements. Anbieter kritischer Infrastrukturen könnten ihre Sicherheit durch gezielte Netzwerksegmentierung, Redundanzmechanismen und den Ausbau von Monitoring-Aktivitäten erhöhen.

Check – Erfolgskontrolle

Nach erfolgreicher Implementierung der gesetzten Schritte muss nun deren Wirksamkeit kontrolliert werden. Es empfiehlt sich passende Key Performance Indicators (KPIs) festzulegen, anhand derer die Wirksamkeit durch Kennzahlen gemessen wird. Gängige Metriken sind beispielsweise die Mean Time To Detect (MTTD), die Mean Time to Respond (MTTR) und die Mean Time to Contain (MTTC). Der Erfolg eines Incident Response Teams kann also durch die Verkürzung der Zeit, die für das Erkennen eines Vorfalls benötigt wird, festgestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit, um die Wirksamkeit der Maßnahmen festzustellen, ist die Durchführung von Penetration Tests. Im Rahmen dieser Tests versuchen externe Stellen in das Unternehmen einzudringen und zeigen so bestehende Schwachstellen und Sicherheitslücken auf. Es können durch Penetration Tests auch nur ausgewählte Services oder Systeme getestet werden. Zur Überprüfung des Managementsystems an sich können auch externe Audits wichtige Erkenntnisse schaffen.

Act – Verbesserung

Der Zyklus ist fast geschafft. Im letzten und vielleicht wichtigsten Schritt werden die Ergebnisse der Erfolgskontrolle analysiert und daraus Erkenntnisse für die nächste Iteration abgeleitet. Dies umfasst neben möglichen Korrektur- und Präventivmaßnahmen auch die Anpassung der ISMS-Dokumentation. Im Zuge dieser Phase sollte weiters ein Management-Review stattfinden, in dem die Geschäftsführung das ISMS und dessen Zielerreichung überprüft.


Nach erfolgreichem Abschluss der letzten Phase startet die nächste Iteration des Zyklus. Hier wird mit einer Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur der Strukturanalyse gestartet. Im Zuge der Risikoanalyse werden die Informationen der Erfolgskontrolle, Threat Intelligence und der Stand der Technik in eine erneute Evaluierung der Risiken miteinbezogen und daraus möglicherweise neue Maßnahmen abgeleitet oder bestehende Maßnahmen angepasst.

Information Security Management System (ISMS)

Fazit

So lässt sich das ISMS kontinuierlich an geänderte Rahmenbedingungen oder Anforderungen anpassen und damit die Informationssicherheit im Unternehmen fortlaufend verbessern. Auch die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und branchentypischen Standards wie der NIS-2-Richtlinie wird durch den Einsatz eines ISMS erleichtert. Weitere Vorteile sind erhöhtes Vertrauen von Wirtschaftspartnern und durch die Minimierung von Sicherheitsrisiken erreichte potenzielle Kosteneinsparungen.

Die team steht ihren Kunden beim Aufbau oder der Modernisierung ihres ISMS durch Expertise zur Seite. Auch bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben oder sicherheitsrelevanter Standards wie des ISO 27001 unterstützen wir unsere Kunden.

  1. Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA). (2022). ENISA Threat Landscape 2022. Verfügbar unter: https://www.enisa.europa.eu/publications/enisa-threat-landscape-2022 ↩︎