25. Signal+Draht Kongress

Impulse vom SIGNAL+DRAHT-Kongress 2025

Cloud-Stellwerke, FRMCS und die Zukunft der Bahntechnologie

Beim diesjährigen SIGNAL+DRAHT-Jubiläumskongress trafen sich Expert:innen der Bahntechnologie, um zentrale Entwicklungen in der Leit- und Sicherungstechnik zu diskutieren. Im Fokus standen die Digitalisierung klassischer Stellwerkssysteme, die Rolle von Cloud-Architekturen und neue Kommunikationsstandards wie FRMCS.

Digitalisierung als Schlüsselthema

Bereits in der Eröffnungssession setzte ein klares Zeichen: Maria Leenen (SCI Verkehr) sowie Vertreter:innen der SBB und des Bundesamts für Verkehr beleuchteten die ökonomischen und technischen Treiber der Digitalisierung. Die DB InfraGO präsentiert anschließend ihre neue LST-Plattformstrategie – ein technologischer Wandel, der auf standardisierte, modulare Systemarchitekturen und den Einsatz von Virtualisierung setzt.

FRMCS: Die Zukunft der Bahnkommunikation

Ein zentrales Thema war FRMCS (Future Railway Mobile Communication System). Martin Taranetz (ÖBB-Infrastruktur AG) und Rainer Fachinger (DB InfraGO) zeigten, wie GSM-R schrittweise durch IP-basierte 5G-Technologien ersetzt wird. Ziel ist eine einheitliche Plattform für ETCS-Datenübertragung, Sprachkommunikation und Zugautomatisierung. Wesentlicher Treiber dieser Vorhaben ist die bevorstehende Obsoleszenz von GSM-R ab 2035.

Stellwerk in der Cloud: Ein Paradigmenwechsel

Siemens Mobility und Hitachi Rail GTS Austria präsentierten das richtungsweisende Konzept „Stellwerk in der Cloud“. Sicherheitsgerichtete Funktionen werden künftig in virtualisierten Umgebungen bereitgestellt – containerisiert, skalierbar und auf handelsüblicher Hardware (COTS) lauffähig. Dank Containerisierung und zertifizierte Kommunikationsschnittstellen lässt sich eine flexible, skalierbare Betriebsführung aufbauen – bei gleichzeitig erhöhter Cyber-Resilienz und reduzierter Abhängigkeit von langjährigen Hardware-Lebenszyklen.

Automatisierung im Bahnbetrieb: ATO/RTO-Pilotprojekte

David Schulz (DB AG) und Jacob Baseliyos (DB Cargo) stellten Pilotprojekte vor, die automatische Fahr- und Rangierfunktionen mit ETCS-Level-2/3-Infrastrukturen kombinieren. Dabei wurden neue Anforderungen an RBC-Logik, DMI-Integration und Sicherheitsnachweise diskutiert.

Cybersecurity und Systemintegration im Fokus

Der zweite Kongresstag widmet sich konsequent den Themen IT-Sicherheit, Systemintegration und digitalen Inbetriebnahmeprozessen. Im Mittelpunkt steht der Einfluss des neuen EU Cyber Resilience Act „CRA“ auf sicherheitsrelevante Bahnkomponenten – insbesondere auf Stellwerkssoftware, Kommunikationssysteme und Datenübertragung im ETCS-Umfeld. Fachbeiträge zeigen, wie Hersteller künftig ihre Software-Update-Prozesse, Penetrationstests etc. regulatorisch absichern müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der BIM-gestützten Abnahme und Inbetriebnahme von LST-Projekten. Durch die Verknüpfung von 3D-Modellen, Attributdaten und automatisierten Prüfschnittstellen kann die technische Dokumentation direkt mit Test- und Abnahmeprotokollen verbunden werden – ein großer Effizienzgewinn bei steigender Systemkomplexität.

Internationale Einblicke und Ausblick

Internationale Erfahrungsberichte – etwa zum ETCS-Rollout in Belgien oder zu Cybersecurity-Konzepten in Metrosystemen – rundeten das Programm ab. Damit richtet sich der Blick klar auf die Zukunft: hin zu einem vollständig vernetzten, resilienten und interoperablen Bahnsystem.

Fazit: Ein Pflichttermin für Bahntechnologie-Expert:innen

Der SIGNAL+DRAHT-Kongress 2025 bestätigt erneut seine Rolle als führendes Fachforum für Leit- und Sicherungstechnik in Europa. Mit technischer Tiefe, internationalem Austausch und praxisnahen Lösungen bleibt er ein unverzichtbarer Treffpunkt für Ingenieur:innen, Projektverantwortliche und Systemanbieter, die den digitalen Wandel der Bahn aktiv mitgestalten.

Auch wir haben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung zukunftsorientierter Bahntechnologien mitgenommen. Als Beratungs- und Umsetzungspartner für Digitalisierung, Automatisierung und Systemintegration im Bahnumfeld bringen unsere teamExpert:innen diese Erkenntnisse direkt in die Projekte ein – für innovative und nachhaltige Lösungen im Sinne unserer Kunden.

3. UIC FRMCS Konferenz

UIC FRMCS Konferenz 2024

Es geht los – Beginn der Fieldtests von FRMCS

Während sich im herbstlich-verregneten Paris die melancholische Stimmung von „Autumn Leaves“ (Les Feuilles Mortes) ausbreitete, herrschte bei der internationalen Eisenbahnunion UIC Aufbruchstimmung. Im Jahr 2019 ins Leben gerufen, verfolgt die UIC FRMCS Konferenz das Ziel, über die Zukunft der Mobilkommunikation im Eisenbahnwesen und über das Mobilfunksystem „Future Railway Mobile Communication System“ (FRMCS) zu konferieren (siehe mein Blogbeitrag FRMCS ante portas).

Aus diesem Grund, trafen sich auch in diesem Jahr erneut mehr als 200 internationale Delegierten von Eisenbahngesellschaften, Herstellern, Verwaltungen, Verbände und Berater, um bei der 3rd UIC FRMCS Conference über die Fertigstellung der Version 2 der UIC Spezifikationen Ende 2024 und über den Beginn von FRMCS Fieldtests Anfang 2025 den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu pflegen. Die team ist seit Anbeginn bei der Konferenz dabei und arbeitet aktiv an der Standardisierung von FRMCS, wie beispielsweise im ETSI Technical Committee Railway Telecommunications, mit.

Zeitplan für die Einführung von FRMCS

Das wichtigste Thema bei der Konferenz war der weitere Zeitplan für die Einführung von FRMCS:

  • Ende 2024 werden die V2 Versionen der UIC Spezifikationen abgeschlossen, und ERA veröffentlicht eine „Technical Opinion“, in der die Spezifikationen abgesegnet (endorsed) werden, sodass sie als Basis für die MORANE2 Test dienen können.
  • 2025 und 2026 werden die MORANE2 Test durchgeführt. MORANE war vor ~25 Jahren der Rahmen für GSM-R Tests. In Anlehnung daran wird der Rahmen für FRMCS Tests MORANE2 genannt.
  • 2027 kommen die UIC V3 Spezifikationen, in die die Testergebnisse von MORANE2 einfließen.
  • 2027 kommt ebenfalls eine neue TSI CCS.
  • Die TSI 2027 und die darin referenzierten UIC-Spezifikationen bilden die Basis für die Entwicklung kommerzieller Produkte und für die Beschaffung 2028-2029.
  • 2032 kann mit der Abschaltung von GSM-R begonnen werden (die TSI sieht eine Übergangsfrist von 5 Jahren vor, daher TSI 2027 + 5 Jahre = 2032).
  • Ende 2035 soll GSM-R obsolet sein.

In Anbetracht der Komplexität wird der Zeitplan bis 2035 als sehr eng gesehen.

An den MORANE2 Tests nehmen 13 Eisenbahngesellschaften, 13 Lieferanten und 2 Betreiber öffentlicher Mobilfunknetze teil. Alle Funktionen werden zuerst in den Testlabors der Hersteller Ericsson, Kontron und Nokia getestet. Anschließend werden auf 5 Teststrecken in Spanien (2 Strecken), Niederlande, Deutschland und Schweden jeweils verschiedene Aspekte von FRMCS getestet, in Deutschland etwa die Interconnection zwischen FRMCS und GSM-R, in Schweden die Versorgung von Tunnels, oder in den Niederlanden FRMCS über öffentliche Mobilfunknetze.

Migrationspläne von GSM-R zu FRMCS

Parallel zu den Tests arbeiten alle Eisenbahngesellschaften mit Hochdruck an der Planung zur Einführung von FRMCS und zur Migration von GSM-R zu FRMCS. Die Pläne für diese Migration wurden von DB, SBB, SNCF und von Infrabel (Belgien) vorgestellt. Die Migrationspläne waren bereits im Vorjahr ein vielbeachteter Themenpunkt – mehr dazu in meinem Blogbeitrag zur UIC FRMCS Konferenz 2023.

Bahnkommunikation und Mobilkommunikation sind seit vielen Jahren Schwerpunkte von der team. Daher arbeitet die team auch aktiv an der Standardisierung von FRMCS mit und begleitet ihre Kunden bei der Modernisierung ihrer Mobilfunksysteme. Mit der Erfahrung aus ETCS, aus GSM-R, aus öffentlichem Mobilfunk und aus der Standarisierung von FRMCS besitzt die team sowohl die umfassende praktische Erfahrung wie auch das theoretische Rüstzeug zur Unterstützung von Eisenbahngesellschaften bei der Einführung von FRMCS.

Glossar
ERA – European Union Agency for Railways
ETCS – European Train Control System
ETSI – European Telecommunications Standards Institute
FRMCS – Future Railway Mobile Communication System
GSM-R – Globale System for Mobile communication – Rail
MORANE – Mobile Radio for Railway Networks in Europe
TSI CCS – Technical Specification for Interoperability, Control Command and Signalling
UIC – Union Internationale des Chemins de fer / Internationale Eisenbahnverband

Mobilfunkversorgung entlang der Eisenbahn: Eine wichtige Verbindung für die Zukunft

Die Eisenbahn ist nicht nur ein wichtiges Verkehrsmittel für Pendler und Reisende, sowie in der Logistik und im Güterverkehr, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Verminderung des CO² Ausstoßes. In einer zunehmend vernetzten Welt ist die Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken ein zentrales Thema, das sowohl für die Sicherheit der Reisenden als auch für die Effizienz des Bahnbetriebs von großer Bedeutung ist. Zudem erhöht es die Attraktivität des Verkehrsmittels Eisenbahn.

(c)ÖBB-Infa RailJet Mobilfunk
© ÖBB-Infra

Die Bedeutung der Mobilfunkversorgung

Sicherheit
Im Falle von Notfällen oder technischen Störungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass sowohl das Bahnpersonal als auch die Reisenden in der Lage sind, schnell Hilfe zu rufen oder Informationen zu erhalten. Eine lückenlose Mobilfunkabdeckung ermöglicht es, im Notfall schnell zu kommunizieren.

Echtzeitinformationen
Reisende möchten aktuelle Informationen über Verspätungen, Anschlusszüge oder alternative Reisemöglichkeiten erhalten. Eine gute Mobilfunkverbindung ermöglicht die Bereitstellung solcher Informationen in Echtzeit, sei es über Apps, Websites oder soziale Medien.

Digitalisierung und Automatisierung
Die Bahnindustrie ist im Wandel. Digitale Technologien, wie z.B. automatisierte Zugsysteme, intelligente Eisenbahnanlagen und Wartungslösungen benötigen eine stabile Mobilfunkverbindung, um effizient arbeiten zu können. Dies führt nicht nur zu einer verbesserten Pünktlichkeit, sondern auch zu einer höheren Sicherheit. Nebenbei bringt es Kostenersparnisse und eine Effizienzsteigerung in Betreib und Wartung.

Komfort für Reisende
Immer mehr Menschen erwarten auch während ihrer Reisen eine Internetverbindung. Ob für die Arbeit, das Streaming von Filmen oder das Surfen im Netz – eine gute Mobilfunkversorgung steigert den Komfort und die Zufriedenheit der Reisenden. Damit steigert sich auch die Bedeutung der Bahn als Verkehrsmittel der Wahl.

„PROGMO“, eine Initiative der ÖBB-INFRA

Die ÖBB-Infrastruktur AG hat der Mobilfunkversorgung ihrer stark befahrenen Strecken mit dem „Programm Mobilfunk“, kurz „PROGMO“, Rechnung getragen und unter Mitwirkung der team erfolgreich abgeschlossen.

Derzeit sind ca. 1.500 km des Streckennetzes mit 2G/3G/4G versorgt. Die versorgten Strecken werden auch seit der erfolgreichen Implementierung laufend optimiert.

Bereits jetzt ist 5G zum „Stand der Technik“ geworden was neue Initiativen erfordert. Diese stehen insbesondere vor der Herausforderung, dass beispielsweise deutlich höhere Netzwerkkapazitäten erforderlich werden, oder auch Anpassungen an neue Antennen- und Remote Unit-Systeme.

Errichtung eines Mobilfunkstandortes (© ÖBB-INFRA)

Fazit

Die Mobilfunkversorgung der Eisenbahnstrecken ist zunehmend wichtig und deren Errichtung gleichzeitig herausfordernd. Um am Stand der Technik zu bleiben, ist es notwendig, neue Aktivitäten zu starten und auch weitere Strecken mit Mobilfunk zu versorgen. Die team wird hierbei am Ball bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.

Mehr Informationen zum Projekt PROGMO finden sich in unserem teamBlog:

Projekt-Einblicke: PROGMO

Das Programm Mobilfunk („PROGMO“) wurde bereits im Blog „Unser Beitrag zum Programm Mobilfunk der ÖBB“ vorgestellt. PROGMO hat den Zweck, die Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken zu verdichten und damit auch eine Rückfallebene für GSM-R zu bilden. PROGMO dient damit der Eisenbahnsicherheit, da Betriebsprozesse und sicherheitskritische Applikationen vom Mobilfunknetz abhängig sind und zukünftige Bahnfunksysteme die Verdichtung nutzen werden können. Die team unterstützt dabei von Beginn an das zentrale … Weiterlesen …
Unser Beitrag zum Programm Mobilfunk der ÖBB

Mit einem Investitionspaket von 100 Mio. Euro verbessern die ÖBB, das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) sowie die Mobilfunkunternehmen A1, T-Mobile und Drei die Mobilfunk‑Netzabdeckung mit GSM (2G), UMTS (3G) und LTE (4G) entlang der wichtigsten Bahnstrecken Österreichs. Bis Ende 2015 wurden bereits die Südbahnstrecke zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt (als Pilotstrecke) sowie die Schnellbahnstrecke zwischen Wien Mitte und dem Flughafen Wien … Weiterlesen …

FRMCS - die Zukunft der Mobilkommunikation

UIC FRMCS Konferenz 2023

Erstes Set an FRMCS-Spezifikationen fertig

Nach der Covid-bedingten Pause fand im Juni 2023 die zweite FRMCS Konferenz im UIC Headquarter, in Paris, statt. Mehr als 200 Delegierte vertraten Eisenbahngesellschaften, wie beispielsweise die ÖBB, SBB, DB, und SNCF, sowie Hersteller (z.B. Frequentis, Kontron, Nokia, Huawei, Funkwerk, etc.), Verwaltungen (z.B. EU-Kommission, ERA, ETSI, etc.), Verbände (z.B. UNISIG, UNIFE, etc.) und Berater, um über die Zukunft der Mobilkommunikation im Eisenbahnwesen und über das zukünftige Mobilfunksystem FRMCS zu konferieren.

V1 Versionen der FRMCS-Spezifikationen

In den letzten Jahren wurden trotz der Einschränkung bei Reisen und Face-to-face Meetings bereits große Fortschritte erzielt, und so konnten im Frühjahr 2023 die V1 Versionen der wichtigsten FRMCS-Spezifikationen.

  • FRS – Functional Requirement Specification
  • TOBA – Technical On-board Architecture
  • FIS – Functional Interface Specification
  • FFFIS – Form Fit Functional Interface Specification

verabschiedet werden. Ebenfalls im Frühjahr 2023 wurde die neue Version der Control, Command and Signalling Technical Specification for Interoperability (CCS TSI) beschlossen. Dies ist die erste technische Spezifikation die auch FRMCS enthält. Demzufolge war eine eigene Session dem Inhalt aller dieser Dokumente gewidmet.

Parallel zur Spezifikationsarbeit, arbeiten technische Universitäten an den Grundlagen für FRMCS, darunter die FRMCS – GSM-R Koexistenz oder FRMCS – C-ITS Multimodale Verkehrskonzepte. Zusätzlich sind Labs und Teststrecken geschaffen worden, in denen Bahngesellschaften und Hersteller gemeinsam die Grundlage für FRMCS untersuchen. So betreibt beispielsweise die DB eine Teststrecke im Erzgebirge in enger Zusammenarbeit mit dem Nokia Lab in Ungarn. Der Schwerpunkt der Tests liegt auf Sprachanwendungen. Die SNCF wiederum betreibt eine Teststrecke in Frankreich in enger Zusammenarbeit mit dem Testlab von Kontron. Der Schwerpunkt dieser Tests liegt auf Datenanwendung. Die Koordination aller Testaktivitäten und die Rückmeldung von Erkenntnissen der Test an die Standardisierung, erfolgt durch das Konsortium 5GRAIL. Auch dieser Arbeit war eine eigene Session gewidmet. In einer weiteren Session stellten die für FRMCS wichtigsten Industriebetriebe ihre Entwicklungspläne für FRMCS Produkte vor.

Migrationspläne der Bahnbetreiber im Fokus

Besondere Beachtung erhielten die Vorträge der Bahnbetreiber DB, SNCF, SBB und ProRail zu den jeweiligen Migrationsplänen von GSM-R zu FRMCS. Der Tenor aller vier Bahnbetreiber war übereinstimmend: bis 2035 wird GSM-R außer Betrieb genommen, ab 2035 wird nur noch FRMCS eingesetzt werden. Davor ist mit einem Parallelbetrieb von bis zu fünf Jahren zu rechnen, d.h. GSM-R und FRMCS parallel im Netz, GSM-R und FRMCS Endgeräte parallel in den Lokomotiven, ISDN und IP-Stacks parallel in den RBCs. Die Abschaltung von GSM-R muss laut CCS TSI fünf Jahre im Voraus angekündigt werden, also im Jahr 2030. Davor sind Pilotinstallationen in den Netzen der Bahnbetreiber geplant.

Die verabschiedeten FRMCS Spezifikationen V1 erlauben noch keine kommerzielle Implementierung des Systems. Die noch offenen Punkte, wie beispielsweise die Verortung von Zügen oder die Service Continuity bei grenzüberschreitenden Diensten, sollen bis 2024 in den V2 Spezifikationen geklärt werden. Vor der Kommerzialisierung müssen die V2 Spezifikationen ausgiebig getestet werden. Diese wird im Rahmen des im Jahre 2022 gegründeten Europe’s Rail Joint Undertaking (ERJU), in der Gruppe „System Pillar“ erfolgen. Die Ergebnisse der Tests werden im Jahr 2026 in die V3 Spezifikationen einfließen, die der erste Satz von Spezifikationen sind, die eine kommerzielle Beschaffung von FRMCS durch die Bahnbetreiber zulassen, daher auch die Bezeichnung „FRMCS 1st Edition“. Diesem weiteren Weg der Spezifikationsarbeit war die letzte Session dieser hochinteressanten Konferenz gewidmet.

Bahn- sowie Mobilkommunikation sind seit vielen Jahren Schwerpunkte der teamKompetenz. Daher arbeitet die team auch aktiv an der Standardisierung von FRMCS, sowohl im ETSI Technical Committee Railway Telecommunications wie auch in der UIC Arbeitsgruppe ATWG, mit. Nach drei Jahren, die von Telefon- und Videokonferenzen geprägt waren, stellte die FRMCS-Konferenz ein ideales Forum dar, sich mit Kunden und Partnern wieder persönlich auszutauschen und bei dem Thema FRMCS führend am Ball zu bleiben.

>> Presseaussendung zur Veranstaltung (in EN)

Glossar
ATWG – Architecture and Technology Working Group
CCS TSI – Control, Command and Signalling Technical Specification for Interoperability
C-ITS – Cooperative Intelligent Transport Systems
ERA – European Union Agency for Railways
ERJU – Europe’s Rail Joint Undertaking
ETSI – European Telecommunications Standards Institute
FRMCS – Future Railway Mobile Communication System
RBC – Radio Block Centre
SBB – Schweizerische Bundesbahnen
SNCF – Société nationale des chemins de fer français
UIC – Union Internationale des Chemins de fer / Internationale Eisenbahnverband
UNIFE – Union des Industries Ferroviaires Européennes
UNISIG – Union Industry of Signalling (assoziiertes Mitglied des UNIFE)

Signal+Draht-Kongress 2022

Der 22. Signal+Draht-Kongress fand dieses Jahr am 17.und 18. November als „Hybridveranstaltung“ statt und hatte den Themenschwerpunkt „Neues Zusammenspiel von Fahrzeug und Strecke“ im Fokus. Fachexperten von Behörden, Lieferfirmen, technischen Beratungsfirmen und aus Eisenbahnverkehrs- sowie Eisenbahninfrastrukturunternehmen teilten ihr Wissen in zahlreichen spannenden Vorträgen.

Einige Highlights werden wir im Nachfolgenden kurz vorstellen.

Pilot Digitaler Knoten Stuttgart
Die nachträgliche digitale Ausrüstung von bestehenden Fahrzeugen ist aufgrund der Inhomogenität in der Fahrzeugflotte herausfordernd. Die Ausgestaltung einer passgenauen generischen Lösung „out of the box“ ist nicht möglich. Eine Nachrüstung in bestehende Fahrzeuge ist in etwa doppelt so aufwändig als eine Ausrüstung ab Werk.

Viel Potential bzgl. Kapazitätssteigerung etwa steckt im Feintuning der Fahrzeugparameter.

Die Klimaziele in Europa erfordern umfassende Maßnahmen im Eisenbahnsektor. Es gilt Fahrgastzahlen zu verdoppeln, die Sicherheit zu steigern und zugleich den CO2-Ausstoß zu halbieren. Mit der alleinigen Bereitstellung von finanziellen Mittel sind diese Herausforderung nicht bewältigbar. Der notwendige Ausbau von Infrastruktur und Fahrzeugen würde eine sprungartige Steigerung der Produktionskapazitäten sowie der Anzahl an Fachkräften innerhalb der Lieferindustrie voraussetzen.

Beides ist nur bedingt in gefordertem Tempo erreichbar. Laut Vertreter der Lieferindustrie würden europaweit einheitliche Lösungen mit wenig Kundenspezifika sowie eine Beschränkung auf den minimal erforderlichen Ausrüstungsumfang, helfen. Die Koordination dazu erfordere jedenfalls eine zentrale Stelle.

Praxiserfahrungen mit ATO over ETCS bei der S-Bahn Hamburghen für ETCS sind gestellt
Auf der Hamburger S-Bahn gelang es innerhalb von nur 3 Jahren Projektlaufzeit in einem Pilotprojekt die Anwendbarkeit von ATO over ETCS (GoA2) in zwei Bahnhöfen zu zeigen. Es wurden zwei Anwendungsfälle realisiert: Erstens wurde eine hochautomatisierte Zugfahrt, bei der jedenfalls noch ein Triebfahrzeugführer in überwachender Rolle an Board ist, realisiert. Zweitens wurde an der Streckengrenze ein System zur vollautomatisierten Rangierfahrt (führerlos) geschaffen.

Signal+Draht Kongress 2022

Das Regionalbahnkonzept der ÖBB
Auch die berühmte „Last Mile“ darf bei der Ausrüstung der digitalen LST nicht ausgelassen werden. In Österreich sind das 38 Regionalbahnstrecken mir einer Streckenlänge von ca. 1.300 km sowie unzähligen Eisenbahnkreuzungen. Ziel des Vorhabens ist, im ersten Schritt einen Ausrüstungsstandard zur Ausrollung auf den Regionalbahnstrecken zu entwickeln.

Bei der Auswahl der passgenauen Technologie halfen „Technologiesteckbriefe“. Bewertet wurde anhand der Kriterien Reifegrad, Lebenszykluskosten, Konformität zu Vorgaben, Vereinbarkeit mit betr. Prozessen und Integrierbarkeit. Zusammenfassend bestehen die technischen Kernelemente des Ausrüstungsstandards aus ETCS L2 only inklusive Anwendung eines innovativen Verschub-Konzepts zur weiteren Reduzierung der Außenlichtsignalisierung. Der entwickelte Standard passt in die bestehende Rahmenstrategie der ÖBB und erfüllt die geforderte betriebliche und technische Passgenauigkeit.

Die Digitale Automatische Kupplung und ihre Wechselwirkungen mit der LST
Die Smart Mobility Strategie der EU sieht eine Steigerung des Schienengütertransportes um mind. 50% vor. Dazu ist eine enorme Effizienzsteigerung in diesem Sektor notwendig, die u.a. durch die Einführung einer einheitlichen Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) erreicht werden soll. Dabei ist nicht nur die riesige Menge an umzurüstendem Rollmaterial (rd. 460.000 Wagons und 17.000 Loks) eine Herausforderung, sondern auch die dafür notwendige IT-Umgebung.

Mit einer digitalen Kupplung könnte nämlich alles mit allem interagieren und es gibt eine enorm hohe Zahl an IT-Migrationsmöglichkeiten. Die Software muss aber fertig sein, bevor mit der Migration der Hardware gestartet werden kann. Dazu hat sich das European DAC Delivery Program (EDDP) von Europe’s Rail eine DAC Migration Roadmap mit entsprechenden Vorbedingungen überlegt, die erfüllt sein müssen, bevor der Rollout gestartet wird. Dieser soll 2026 beginnen und über 6 Jahre laufen. Ein sehr ambitioniertes Ziel, aber der Co-Programm-Manager des EDDPs gab sich zuversichtlich, dass es mit entsprechender Anstrengung erreicht werden kann.

5G und FRMCS: Öffentliches vs. Privates Netz & Geschäftsmodelle und Umsetzungskonzepte in Österreich
Gleich zwei Präsentationen drehten sich um das zukunftsträchtige Thema 5G und FRMCS. Grundsätzlich ist der Ansatz, die Vorteile von 5G in den Bahnbereich hineinzutragen, während ein besonderer Fokus hierbei auf die hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit der Netze liegt.

Ein essenzielles Konzept, das hierfür zum Einsatz kommen soll, ist das sogenannte Network Slicing. Dadurch können Ressourcen für besondere/kritische Anwendungen exklusiv reserviert werden und die Koexistenz von Services unterschiedlicher Priorisierung rückwirkungsfrei parallel stattfinden. Durch die Möglichkeit flexibler Architekturen kann die jeweilige Lösung auch an die Spezifika der mit Mobilfunk versorgten Strecke angepasst werden – so kann schließlich eine Unterscheidung von Haupt-Trassen und Nebenstrecken erfolgen.

Eine Abstimmung aller relevanten Stakeholder – Bahnbetreiber, Mobilfunkbetreiber und Herstellern von Mobilfunk-HW – ist für die Ausnutzung der sich natürlich ergebenden Synergien unabdingbar. Bei der ÖBB laufen schon erste Trials und eine Nutzung im laufenden Betrieb ist ab 2030 vorgesehen.

Fazit der Vorträge beim Signal+Draht-Kongress 2022
Der ETCS-Roll Out in Europa schreitet voran. Erste große Herausforderungen in einzelnen Piloten sowie im Flächenrollout zeichnen sich ab. Zum Erreichen der gesetzten Ziele ist ein gewaltiger Kraftakt notwendig, welcher nur durch gute Zusammenarbeit aller beteiligten Parteien bewältigbar erscheint.

Die team ist bei allen zeitkritischen Projekten mit hohem Innovationsgehalt in diesem Themenbereich der ideale Partner. Als herstellerunabhängiges Beratungsunternehmen unterstützt die team ihre Kunden direkt an der Schnittstelle zu Anlagen- und Systemlieferanten. Die „richtige“ Lösung für den jeweiligen Anwendungsfall benötigt ein hohes Maß an Fachkompetenz und professioneller Methodik. Die teamExperten:innen setzen dabei auf langjährige Erfahrungen aus verschiedensten kritischen Infrastrukturen.