Cloud-Stellwerke, FRMCS und die Zukunft der Bahntechnologie
Beim diesjährigen SIGNAL+DRAHT-Jubiläumskongress trafen sich Expert:innen der Bahntechnologie, um zentrale Entwicklungen in der Leit- und Sicherungstechnik zu diskutieren. Im Fokus standen die Digitalisierung klassischer Stellwerkssysteme, die Rolle von Cloud-Architekturen und neue Kommunikationsstandards wie FRMCS.

Digitalisierung als Schlüsselthema
Bereits in der Eröffnungssession setzte ein klares Zeichen: Maria Leenen (SCI Verkehr) sowie Vertreter:innen der SBB und des Bundesamts für Verkehr beleuchteten die ökonomischen und technischen Treiber der Digitalisierung. Die DB InfraGO präsentiert anschließend ihre neue LST-Plattformstrategie – ein technologischer Wandel, der auf standardisierte, modulare Systemarchitekturen und den Einsatz von Virtualisierung setzt.
FRMCS: Die Zukunft der Bahnkommunikation
Ein zentrales Thema war FRMCS (Future Railway Mobile Communication System). Martin Taranetz (ÖBB-Infrastruktur AG) und Rainer Fachinger (DB InfraGO) zeigten, wie GSM-R schrittweise durch IP-basierte 5G-Technologien ersetzt wird. Ziel ist eine einheitliche Plattform für ETCS-Datenübertragung, Sprachkommunikation und Zugautomatisierung. Wesentlicher Treiber dieser Vorhaben ist die bevorstehende Obsoleszenz von GSM-R ab 2035.
Stellwerk in der Cloud: Ein Paradigmenwechsel
Siemens Mobility und Hitachi Rail GTS Austria präsentierten das richtungsweisende Konzept „Stellwerk in der Cloud“. Sicherheitsgerichtete Funktionen werden künftig in virtualisierten Umgebungen bereitgestellt – containerisiert, skalierbar und auf handelsüblicher Hardware (COTS) lauffähig. Dank Containerisierung und zertifizierte Kommunikationsschnittstellen lässt sich eine flexible, skalierbare Betriebsführung aufbauen – bei gleichzeitig erhöhter Cyber-Resilienz und reduzierter Abhängigkeit von langjährigen Hardware-Lebenszyklen.
Automatisierung im Bahnbetrieb: ATO/RTO-Pilotprojekte
David Schulz (DB AG) und Jacob Baseliyos (DB Cargo) stellten Pilotprojekte vor, die automatische Fahr- und Rangierfunktionen mit ETCS-Level-2/3-Infrastrukturen kombinieren. Dabei wurden neue Anforderungen an RBC-Logik, DMI-Integration und Sicherheitsnachweise diskutiert.


Cybersecurity und Systemintegration im Fokus
Der zweite Kongresstag widmet sich konsequent den Themen IT-Sicherheit, Systemintegration und digitalen Inbetriebnahmeprozessen. Im Mittelpunkt steht der Einfluss des neuen EU Cyber Resilience Act „CRA“ auf sicherheitsrelevante Bahnkomponenten – insbesondere auf Stellwerkssoftware, Kommunikationssysteme und Datenübertragung im ETCS-Umfeld. Fachbeiträge zeigen, wie Hersteller künftig ihre Software-Update-Prozesse, Penetrationstests etc. regulatorisch absichern müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der BIM-gestützten Abnahme und Inbetriebnahme von LST-Projekten. Durch die Verknüpfung von 3D-Modellen, Attributdaten und automatisierten Prüfschnittstellen kann die technische Dokumentation direkt mit Test- und Abnahmeprotokollen verbunden werden – ein großer Effizienzgewinn bei steigender Systemkomplexität.
Internationale Einblicke und Ausblick
Internationale Erfahrungsberichte – etwa zum ETCS-Rollout in Belgien oder zu Cybersecurity-Konzepten in Metrosystemen – rundeten das Programm ab. Damit richtet sich der Blick klar auf die Zukunft: hin zu einem vollständig vernetzten, resilienten und interoperablen Bahnsystem.
Fazit: Ein Pflichttermin für Bahntechnologie-Expert:innen
Der SIGNAL+DRAHT-Kongress 2025 bestätigt erneut seine Rolle als führendes Fachforum für Leit- und Sicherungstechnik in Europa. Mit technischer Tiefe, internationalem Austausch und praxisnahen Lösungen bleibt er ein unverzichtbarer Treffpunkt für Ingenieur:innen, Projektverantwortliche und Systemanbieter, die den digitalen Wandel der Bahn aktiv mitgestalten.
Auch wir haben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung zukunftsorientierter Bahntechnologien mitgenommen. Als Beratungs- und Umsetzungspartner für Digitalisierung, Automatisierung und Systemintegration im Bahnumfeld bringen unsere teamExpert:innen diese Erkenntnisse direkt in die Projekte ein – für innovative und nachhaltige Lösungen im Sinne unserer Kunden.






