Innovationen, Impulse und Antworten für die Mobilität von morgen
Am 5. und 6. März 2026 traf sich die österreichische und internationale Bahnbranche beim 24. Wiener Eisenbahnkolloquium im Technischen Museum Wien, um aktuelle Trends, Innovationen, Herausforderungen und Zukunftsbilder des öffentlichen Verkehrs zu diskutieren.
Starke Eröffnung: Was moderne ÖPNV‑Systeme leisten müssen
Gleich zu Beginn machte Markus Mailer (Universität Innsbruck) deutlich, dass der ÖPNV längst mehr ist als ein Basisangebot: er ist ein zentraler Hebel für Energieautonomie, Klimaneutralität und Lebensqualität. Um mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen, braucht es nicht nur leistungsfähige Infrastruktur und moderne Fahrzeuge, sondern auch intelligente Maßnahmen, die Einstiegsbarrieren abbauen und das Mobilitätsverhalten aktiv verändern.
ÖPNV unter Druck: Herausforderungen und Chancen
In der anschließenden Session zeigte Leonhard Hartinger (BMIMI), wie stark der öffentliche Verkehr in Österreich aktuell beansprucht wird. Rekord-Fahrgastzahlen treffen auf begrenzte Infrastruktur und hohe Motorisierung. Die Frage lautet daher: Ist unser Nahverkehrssystem bereit für die Transformation? Neue Technologien, intelligente Planung und gezielte Investitionen sollen den Weg ebnen.
Auch die regionalen Perspektiven kamen nicht zu kurz: Stefan Walter (Land Steiermark) beleuchtete, warum gerade der stadtgrenzüberschreitende Verkehr enormes Verlagerungspotenzial bietet. Und warum ausgerechnet dort der Modal Split im ländlichen Gebiet niedriger ist als im urbanen Großraum. Am Beispiel Graz wurden verschiedene planerische Ansätze und deren Wirkung anschaulich gezeigt.
Technologische Gamechanger: Batteriezüge, ETCS und modernisierte Netze
Technische Hebel wurden von den nächsten Rednern erläutert. Jan Christoph Harder (Škoda Group) belegte in seinem Vortrag mit klaren Zahlen, dass batteriebetriebene Triebzüge (BEMU) in den meisten europäischen Netzen die wirtschaftlichere und energieeffizientere Lösung gegenüber Wasserstoff darstellen. Besonders in jenen Netzbereichen, welche nur teilweise elektrifiziert sind, entfaltet die Technologie ihr maximales Potenzial (Ladevorgang im überspannten Streckenabschnitt).
Im Anschluss dazu präsentierte Judith Engel (ÖBB-Infrastruktur) eines der komplexesten Bauprojekte des Landes: das S Bahn Wien Upgrade. Digitale Zugsicherung (siehe team Referenz ETCS-Level 2), umfangreiche Sanierungen historischer Bauwerke, verlängerte Bahnsteige und neue Betriebsführungskonzepte – all das bei laufendem Betrieb und teils langen Sperrpausen auf der Wiener Hauptverkehrsader. Ein Projekt, das zeigt, wie technischer Fortschritt und städtische Bauwirklichkeit aufeinandertreffen.

Regionale Großprojekte und Fahrzeuginnovationen
Mit der Regional Stadtbahn Linz (RSB) stellte Volker Hartl Benz (Schiene OÖ) eines der bedeutendsten ÖV Projekte Oberösterreichs vor. Finanzierungsvereinbarungen mit Bund, Land und Stadt bilden nun ein stabiles Fundament, während die behördlichen Einreichungen für 2027 geplant sind.
- Start der Bauarbeiten: 2029
- Inbetriebnahme: 2032
Der Zeitplan steht!
Ebenfalls spannend: Das internationale TramTrain Projekt, vorgestellt von Maximilian López Kuhnen (Stadler). Bis zu 504 zweisystemfähige CITYLINK Fahrzeuge werden an sechs Verkehrsunternehmen geliefert. Gemeinsame Plattformstandards und ein hohes Maß an Modularität schaffen erhebliche Kosten- und Zeitvorteile. Erste Fahrzeuge für die Linzer Lokalbahn sollen ab Oktober 2026 zum Einsatz kommen.
Mobilität neu gedacht: Der Obus, Kapazitätsverdichtung & strategische Planung
Gunter Mackinger gab einen globalen Überblick zum Obus-System (Oberleitungsbus), das in über 300 Städten weltweit ein Revival erlebt. Moderne Batterietechnik macht die Fahrzeuge flexibler und positioniert den Trolleybus als „Light Tram“ zur leistungsfähigen und dennoch ressourcenschonenden Ergänzung zum klassischen Schienenverkehr.
Wie man bestehende Systeme effizienter nutzt, zeigte Markus Lagler (TU Wien) in seinem Beitrag zur Verdichtung von Bahn- und Tramsystemen. Infrastruktur, Betrieb, Organisation – alle drei Bereiche bieten Stellschrauben, um Kapazität und Leistungsfähigkeit zu steigern. Sehr kreative und lösungsorientierte Ansätze zeigte Harald Buschbacher (SCHIG). Erstens zeigte Buchsbacher, dass die Problemstellung von zu kurzen Bahnsteigen ohne große bautechnische Anpassungen durch „kleines bzw. großes Überstehen“ effizient gelöst werden könnte.
Zweitens wurde ein kreativer Lösungsansatz für Retrofit von älteren Fahrzeugen gezeigt, in den mit effizienten Eingriffen die Zukunftsfähigkeit bis zum Ende der Lebensdauer gewährleistet werden kann.
Digitalisierung, KI & Passenger Experience
Tag zwei zeigte, wie stark Digitalisierung und Nutzersicht den ÖPNV verändern:
- Markus Abraham (ÖBB Infrastruktur) ordnete die Frage „Wann fahren wir autonom?“ und erklärte, warum echte Autonomie im Bahnverkehr – im Gegensatz zur Automatisierung – nur eingeschränkt realistisch ist. Technologien wie ATO, ETCS und FRMCS spielen dennoch zentrale Rollen.
- Elisabeth Oberzaucher (Urban Human) zeigte eindrucksvoll, wie menschzentrierte Gestaltung Umsteigen erleichtert – psychologisch, räumlich und digital unterstützt durch KI.
- Christiane Bausback (N+P Design) präsentierte ein ganzheitliches Verständnis von Passenger Experience, bei dem Fahrzeuge, Bahnhöfe und digitale Services als durchgängiges Mobilitätsökosystem zusammenwirken.
- Andreas Krämer analysierte anhand umfangreicher Daten die Wirkung des Deutschlandtickets: weniger Pkw-Fahrten, sinkende externe Kosten und ein beeindruckend hoher gesellschaftlicher Nutzen.
- Einen strategischen Blick in die Zukunft wagte Johannes Kehrer (Wiener Linien): Fahrgastprognosen, Netzentwicklung und Standortplanung fließen zunehmend in ein integriertes Steuerungsmodell ein, das Wien langfristig auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität begleitet.
Fazit: Zwei Tage voller Impulse für die Zukunft der Bahn
Das 24. Wiener Eisenbahnkolloquium zeigte einmal mehr: Die Zukunft der Mobilität entsteht an der Schnittstelle von Technologie, Raumplanung, Nutzerfokus und politischer Verantwortung. Sebastian und ich haben große Impulse mitgenommen, die wird in unserer team Tätigkeit einbringen werden.

















