24. Wiener Eisenbahnkolloquium, vom 3. - 5. März 2026, im Technischen Museeum in Wien

24.Wiener Eisenbahnkolloquium

Innovationen, Impulse und Antworten für die Mobilität von morgen

Am 5. und 6. März 2026 traf sich die österreichische und internationale Bahnbranche beim 24. Wiener Eisenbahnkolloquium im Technischen Museum Wien, um aktuelle Trends, Innovationen, Herausforderungen und Zukunftsbilder des öffentlichen Verkehrs zu diskutieren.

Starke Eröffnung: Was moderne ÖPNV‑Systeme leisten müssen

Gleich zu Beginn machte Markus Mailer (Universität Innsbruck) deutlich, dass der ÖPNV längst mehr ist als ein Basisangebot: er ist ein zentraler Hebel für Energieautonomie, Klimaneutralität und Lebensqualität. Um mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen, braucht es nicht nur leistungsfähige Infrastruktur und moderne Fahrzeuge, sondern auch intelligente Maßnahmen, die Einstiegsbarrieren abbauen und das Mobilitätsverhalten aktiv verändern.

ÖPNV unter Druck: Herausforderungen und Chancen

In der anschließenden Session zeigte Leonhard Hartinger (BMIMI), wie stark der öffentliche Verkehr in Österreich aktuell beansprucht wird. Rekord-Fahrgastzahlen treffen auf begrenzte Infrastruktur und hohe Motorisierung. Die Frage lautet daher: Ist unser Nahverkehrssystem bereit für die Transformation? Neue Technologien, intelligente Planung und gezielte Investitionen sollen den Weg ebnen.

Auch die regionalen Perspektiven kamen nicht zu kurz: Stefan Walter (Land Steiermark) beleuchtete, warum gerade der stadtgrenzüberschreitende Verkehr enormes Verlagerungs­potenzial bietet. Und warum ausgerechnet dort der Modal Split im ländlichen Gebiet niedriger ist als im urbanen Großraum. Am Beispiel Graz wurden verschiedene planerische Ansätze und deren Wirkung anschaulich gezeigt.

Technologische Gamechanger: Batteriezüge, ETCS und modernisierte Netze

Technische Hebel wurden von den nächsten Rednern erläutert. Jan Christoph Harder (Škoda Group) belegte in seinem Vortrag mit klaren Zahlen, dass batteriebetriebene Triebzüge (BEMU) in den meisten europäischen Netzen die wirtschaftlichere und energieeffizientere Lösung gegenüber Wasserstoff darstellen. Besonders in jenen Netzbereichen, welche nur teilweise elektrifiziert sind, entfaltet die Technologie ihr maximales Potenzial (Ladevorgang im überspannten Streckenabschnitt).

Im Anschluss dazu präsentierte Judith Engel (ÖBB-Infrastruktur) eines der komplexesten Bauprojekte des Landes: das S Bahn Wien Upgrade. Digitale Zugsicherung (siehe team Referenz ETCS-Level 2), umfangreiche Sanierungen historischer Bauwerke, verlängerte Bahnsteige und neue Betriebsführungskonzepte – all das bei laufendem Betrieb und teils langen Sperrpausen auf der Wiener Hauptverkehrsader. Ein Projekt, das zeigt, wie technischer Fortschritt und städtische Bauwirklichkeit aufeinandertreffen.

Michael Scharinger und Sebastian Preis beim 24. Wiener Eisenbahnkolloquium im Technischen Museeum.
Michael Scharinger & Sebastian Preis am 24. Wiener Eisenbahnkolloquium

Regionale Großprojekte und Fahrzeuginnovationen

Mit der Regional Stadtbahn Linz (RSB) stellte Volker Hartl Benz (Schiene OÖ) eines der bedeutendsten ÖV Projekte Oberösterreichs vor. Finanzierungsvereinbarungen mit Bund, Land und Stadt bilden nun ein stabiles Fundament, während die behördlichen Einreichungen für 2027 geplant sind.

  • Start der Bauarbeiten: 2029
  • Inbetriebnahme: 2032

Der Zeitplan steht!

Ebenfalls spannend: Das internationale TramTrain Projekt, vorgestellt von Maximilian López Kuhnen (Stadler). Bis zu 504 zweisystemfähige CITYLINK Fahrzeuge werden an sechs Verkehrsunternehmen geliefert. Gemeinsame Plattformstandards und ein hohes Maß an Modularität schaffen erhebliche Kosten- und Zeitvorteile. Erste Fahrzeuge für die Linzer Lokalbahn sollen ab Oktober 2026 zum Einsatz kommen.

Mobilität neu gedacht: Der Obus, Kapazitätsverdichtung & strategische Planung

Gunter Mackinger gab einen globalen Überblick zum Obus-System (Oberleitungsbus), das in über 300 Städten weltweit ein Revival erlebt. Moderne Batterietechnik macht die Fahrzeuge flexibler und positioniert den Trolleybus als „Light Tram“ zur leistungsfähigen und dennoch ressourcen­schonenden Ergänzung zum klassischen Schienenverkehr.

Wie man bestehende Systeme effizienter nutzt, zeigte Markus Lagler (TU Wien) in seinem Beitrag zur Verdichtung von Bahn- und Tramsystemen. Infrastruktur, Betrieb, Organisation – alle drei Bereiche bieten Stellschrauben, um Kapazität und Leistungsfähigkeit zu steigern. Sehr kreative und lösungsorientierte Ansätze zeigte Harald Buschbacher (SCHIG). Erstens zeigte Buchsbacher, dass die Problemstellung von zu kurzen Bahnsteigen ohne große bautechnische Anpassungen durch „kleines bzw. großes Überstehen“ effizient gelöst werden könnte.

Zweitens wurde ein kreativer Lösungsansatz für Retrofit von älteren Fahrzeugen gezeigt, in den mit effizienten Eingriffen die Zukunftsfähigkeit bis zum Ende der Lebensdauer gewährleistet werden kann.

Digitalisierung, KI & Passenger Experience

Tag zwei zeigte, wie stark Digitalisierung und Nutzersicht den ÖPNV verändern:

  • Markus Abraham (ÖBB Infrastruktur) ordnete die Frage „Wann fahren wir autonom?“ und erklärte, warum echte Autonomie im Bahnverkehr – im Gegensatz zur Automatisierung – nur eingeschränkt realistisch ist. Technologien wie ATO, ETCS und FRMCS spielen dennoch zentrale Rollen.
  • Elisabeth Oberzaucher (Urban Human) zeigte eindrucksvoll, wie menschzentrierte Gestaltung Umsteigen erleichtert – psychologisch, räumlich und digital unterstützt durch KI.
  • Christiane Bausback (N+P Design) präsentierte ein ganzheitliches Verständnis von Passenger Experience, bei dem Fahrzeuge, Bahnhöfe und digitale Services als durchgängiges Mobilitätsökosystem zusammenwirken.
  • Andreas Krämer analysierte anhand umfangreicher Daten die Wirkung des Deutschlandtickets: weniger Pkw-Fahrten, sinkende externe Kosten und ein beeindruckend hoher gesellschaftlicher Nutzen.
  • Einen strategischen Blick in die Zukunft wagte Johannes Kehrer (Wiener Linien): Fahrgastprognosen, Netzentwicklung und Standortplanung fließen zunehmend in ein integriertes Steuerungsmodell ein, das Wien langfristig auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität begleitet.

Fazit: Zwei Tage voller Impulse für die Zukunft der Bahn

Das 24. Wiener Eisenbahnkolloquium zeigte einmal mehr: Die Zukunft der Mobilität entsteht an der Schnittstelle von Technologie, Raumplanung, Nutzerfokus und politischer Verantwortung. Sebastian und ich haben große Impulse mitgenommen, die wird in unserer team Tätigkeit einbringen werden.

Balisen für das europäische Zugsicherungssystem ETCS-Level 2

Mehr als 10.000 Balisen verbaut

Die ÖBB-Infrastruktur AG rüstet im Rahmen ihres Programms ETCS-Migration alle stark befahrenen Strecken in ihrem Netz mit dem einheitlichen europäischen Zugsicherungssystem ETCS-Level 2 aus. ETCS vereinfacht den interoperablen, grenzübergreifenden Verkehr und erhöht die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Strecken. Die team unterstützt die ÖBB bei Errichtungs- und Umbauprojekten auf Bestandsstrecken.

Die technologische Kernkomponente der Innenanlage des ETCS-Systems ist das RBC (Radio Block Center, siehe auch Ein reibungsloser Übergang, der Geschichte schreibt). Die Außenanlage besteht (neben dem GSM-R-Netzwerk) im Wesentlichen aus vielen im Gleis verlegten Transponder-Elementen, den Balisen.

Balise indoor

Balise indoor

Schienenfahrzeuge benötigen geeignete Antennen, um die Information einer Balise aufnehmen zu können. Die im ETCS-Level 2 zum Einsatz kommenden Eurobalisen sind passiv, sie benötigen keine Stromversorgung und haben einen statisch programmierten Dateninhalt. Die zur Datenübermittlung notwendige Energie kommt ebenso aus der Antenne des passierenden Schienenfahrzeugs.

Balisen in den Schienen

Balisen im Gleis

Die Montage der Balisen erfolgt auf genau definierten Positionen auf den Schwellen. Diese Positionen müssen mit der im RBC hinterlegten Projektierung übereinstimmen. Die Balisen werden mit einem Anprallschutz montiert, der sowohl den vorgeschriebenen Stolperschutz im Bahnhofsbereich als auch den mechanischen Anprallschutz erfüllt Im Zuge der verschiedenen Projekte auf der Südbahn, Westbahn und Pottendorfer Linie sowie im Netz der Wiener Schnellbahn wurde im Jahr 2025 die Anzahl von gesamt 10.000 dieser verbauten Elemente überschritten.

25. Signal+Draht Kongress

Impulse vom SIGNAL+DRAHT-Kongress 2025

Cloud-Stellwerke, FRMCS und die Zukunft der Bahntechnologie

Beim diesjährigen SIGNAL+DRAHT-Jubiläumskongress trafen sich Expert:innen der Bahntechnologie, um zentrale Entwicklungen in der Leit- und Sicherungstechnik zu diskutieren. Im Fokus standen die Digitalisierung klassischer Stellwerkssysteme, die Rolle von Cloud-Architekturen und neue Kommunikationsstandards wie FRMCS.

Digitalisierung als Schlüsselthema

Bereits in der Eröffnungssession setzte ein klares Zeichen: Maria Leenen (SCI Verkehr) sowie Vertreter:innen der SBB und des Bundesamts für Verkehr beleuchteten die ökonomischen und technischen Treiber der Digitalisierung. Die DB InfraGO präsentiert anschließend ihre neue LST-Plattformstrategie – ein technologischer Wandel, der auf standardisierte, modulare Systemarchitekturen und den Einsatz von Virtualisierung setzt.

FRMCS: Die Zukunft der Bahnkommunikation

Ein zentrales Thema war FRMCS (Future Railway Mobile Communication System). Martin Taranetz (ÖBB-Infrastruktur AG) und Rainer Fachinger (DB InfraGO) zeigten, wie GSM-R schrittweise durch IP-basierte 5G-Technologien ersetzt wird. Ziel ist eine einheitliche Plattform für ETCS-Datenübertragung, Sprachkommunikation und Zugautomatisierung. Wesentlicher Treiber dieser Vorhaben ist die bevorstehende Obsoleszenz von GSM-R ab 2035.

Stellwerk in der Cloud: Ein Paradigmenwechsel

Siemens Mobility und Hitachi Rail GTS Austria präsentierten das richtungsweisende Konzept „Stellwerk in der Cloud“. Sicherheitsgerichtete Funktionen werden künftig in virtualisierten Umgebungen bereitgestellt – containerisiert, skalierbar und auf handelsüblicher Hardware (COTS) lauffähig. Dank Containerisierung und zertifizierte Kommunikationsschnittstellen lässt sich eine flexible, skalierbare Betriebsführung aufbauen – bei gleichzeitig erhöhter Cyber-Resilienz und reduzierter Abhängigkeit von langjährigen Hardware-Lebenszyklen.

Automatisierung im Bahnbetrieb: ATO/RTO-Pilotprojekte

David Schulz (DB AG) und Jacob Baseliyos (DB Cargo) stellten Pilotprojekte vor, die automatische Fahr- und Rangierfunktionen mit ETCS-Level-2/3-Infrastrukturen kombinieren. Dabei wurden neue Anforderungen an RBC-Logik, DMI-Integration und Sicherheitsnachweise diskutiert.

Cybersecurity und Systemintegration im Fokus

Der zweite Kongresstag widmet sich konsequent den Themen IT-Sicherheit, Systemintegration und digitalen Inbetriebnahmeprozessen. Im Mittelpunkt steht der Einfluss des neuen EU Cyber Resilience Act „CRA“ auf sicherheitsrelevante Bahnkomponenten – insbesondere auf Stellwerkssoftware, Kommunikationssysteme und Datenübertragung im ETCS-Umfeld. Fachbeiträge zeigen, wie Hersteller künftig ihre Software-Update-Prozesse, Penetrationstests etc. regulatorisch absichern müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der BIM-gestützten Abnahme und Inbetriebnahme von LST-Projekten. Durch die Verknüpfung von 3D-Modellen, Attributdaten und automatisierten Prüfschnittstellen kann die technische Dokumentation direkt mit Test- und Abnahmeprotokollen verbunden werden – ein großer Effizienzgewinn bei steigender Systemkomplexität.

Internationale Einblicke und Ausblick

Internationale Erfahrungsberichte – etwa zum ETCS-Rollout in Belgien oder zu Cybersecurity-Konzepten in Metrosystemen – rundeten das Programm ab. Damit richtet sich der Blick klar auf die Zukunft: hin zu einem vollständig vernetzten, resilienten und interoperablen Bahnsystem.

Fazit: Ein Pflichttermin für Bahntechnologie-Expert:innen

Der SIGNAL+DRAHT-Kongress 2025 bestätigt erneut seine Rolle als führendes Fachforum für Leit- und Sicherungstechnik in Europa. Mit technischer Tiefe, internationalem Austausch und praxisnahen Lösungen bleibt er ein unverzichtbarer Treffpunkt für Ingenieur:innen, Projektverantwortliche und Systemanbieter, die den digitalen Wandel der Bahn aktiv mitgestalten.

Auch wir haben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung zukunftsorientierter Bahntechnologien mitgenommen. Als Beratungs- und Umsetzungspartner für Digitalisierung, Automatisierung und Systemintegration im Bahnumfeld bringen unsere teamExpert:innen diese Erkenntnisse direkt in die Projekte ein – für innovative und nachhaltige Lösungen im Sinne unserer Kunden.

RBC-RBC-Uebergang 2024 Zug in Bewegung auf Gleisen mit Masten neben den Schienen

Ein reibungsloser Übergang, der Geschichte schreibt

Erstmalige Befahrung eines RBC-RBC-Übergangs durch die ÖBB und die team

Wir haben österreichische Eisenbahngeschichte geschrieben! Erstmals ist in Österreich am 08.10.2024 um 10:16:52 erfolgreich ein RBC-RBC-Übergang1 befahren worden – durch ein Triebfahrzeug der ÖBB begleitet durch die team!

Die Testlok 1016-031, die erstmals in Österreich den RBC-RBC-Übergang befahren hat, hier am Gleis 180 des Wiener Hauptbahnhofs. Im Vordergrund zu sehen – die ETCS Balisen im Gleisbett.

Die ÖBB-Infrastruktur AG rüsten im Rahmen ihres Programms ETCS-Migration 2038+ alle stark befahrenen Strecken in ihrem Netz mit dem einheitlichen europäischen Zugsicherungssystem ETCS-Level 2 aus. Das Ziel ist, den interoperablen, grenzübergreifenden Verkehr zu vereinfachen und zusätzlich die Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Strecken zu erhöhen. Dabei kommen zahlreiche RBC zum Einsatz, die jeweils in einem bestimmten Streckenabschnitt die Züge überwachen und ihnen die Fahrerlaubnisse erteilen und mittels GSM-R übermitteln.

Bis jetzt wurden an den Grenzen eines, von einem RBC überwachten, Streckenabschnitts die Züge stets aus der ETCS-Vollüberwachung in das herkömmliche Zugsicherungssystem PZB entlassen, in dem die Züge unter Personalverantwortung des Triebfahrzeugführers geführt und nur an gewissen Punkten überwacht werden. Der Grund dafür lag an der geografischen Verteilung der RBC-Bereiche, wodurch diese in der Vergangenheit keine Berührungspunkte hatten.

Nun wurde erstmals in Österreich ein in ETCS-Level 2 vollüberwachter Zug von der Verantwortung eines RBC in die eines anderen RBC übergeben!

Konkret fand dies zwischen dem RBC Wien Hbf und dem RBC Pottendorf, an deren Grenze auf der Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wien Inzersdorf, statt. Die Tests dieses RBC-RBC-Übergangs liefen zufriedenstellen ab. Für den Triebfahrzeugführer ist der RBC-RBC-Übergang recht unscheinbar, der Großteil läuft im Hintergrund ab – die beiden RBC kommunizieren untereinander und tauschen alle notwendigen Informationen aus. Dies geschieht so, dass die für das Fahrzeug relevanten Informationen zeitgerecht an dieses übermittelt werden und im Regelfall keinerlei Auswirkungen für die Zugfahrt haben.

Grenzsignal zwischen dem RBC Wien Hbf und dem RBC Pottendorf auf der Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wien Inzersdorf.

Aber nicht nur der Regelfall sollte getestet werden, die teamExperten haben sich auch für alle möglichen Abweichungen und Sonderfälle ein Testszenario überlegt. So wurden beispielsweise diverse Signalhaltfälle während des Übergangs, Verbindungsausfälle zwischen einzelnen Teilsystemen oder der Ausfall eines der beiden GSM-R-Modems am Triebfahrzeug getestet. Das System hat bei allen Abweichungen und Sonderfällen richtig reagiert und es wurden nach Wiederherstellen des Normalzustandes innerhalb weniger Sekunden alle notwendigen Informationen an das Fahrzeug übermittelt, um die Fahrt ungehindert fortsetzen zu können.

Die team wird auch in den nächsten Jahren den ETCS-Rollout weiter begleiten und freut sich schon, mit ihrer fundierten Expertise auch in Zukunft komplexe Funktionen umfangreich und detailliert zu testen!

Glossar
DMI – Driver-Machine-Interface
ETCS – European Train Control System
GSM-R – Global System for Mobile Communications – Rail(way), Mobilfunksystem, das auf dem Mobilfunkstandard GSM aufbaut
RBC – Radio Block Center
PZB – Punktförmige Zugbeeinflussung

  1. RBC steht für Radio Block Center und ist die wesentliche Komponente des einheitlichen europäischen Zugsicherungssystems ETCS-Level 2.  ↩︎
Firmenmesse der Bahnbranche - Zukunft Bahn

Zukunft Bahn – Karriere auf Schiene

Die team @ Firmenmesse der Bahnbranche an der FH St. Pölten

Am 28. März 2025 nahm unser teamTeam, bestehend aus Natalie Bertl (HR), Dr. Martin Müller und Michael Scharinger (Senior Consultants im Bereich Bahntechnik), mit unserem Motto „teamUp & get on track„, an der Firmenmesse der Bahnbranche an der FH St. Pölten teil.

Die Messe bot eine ausgezeichnete Gelegenheit, die team und unsere Projekte vorzustellen und in interessante Gespräche mit Studierenden, Fachkräften und Branchenexpert:innen zu führen, sowie sich über aktuelle Entwicklungen in der Bahntechnik auszutauschen.

Besonders im Fokus standen moderne Lösungen zur Digitalisierung und Automatisierung des Bahnsektors. Als innovatives Unternehmen mit einem klaren Fokus auf zukunftsweisende Technologien, insbesondere im Schienenverkehr, konnten wir daher unser breites Leistungsspektrum vorstellen.

Wir präsentierten einen Abriss aus unserer aktuellen Projektarbeit, darunter Tätigkeiten in innovativen Themenbereichen wie ERJU, die Ausgestaltung der innovativen „Daten Diagnose Service Plattform“ (kurz: DDSP) für digitale Stellwerke sowie die langjährige Unterstützung im Programm ETCS. Dabei wurde verdeutlicht, wie moderne Technologien dazu beitragen können, den Bahnverkehr umweltfreundlicher, sicherer und wirtschaftlicher zu gestalten. Viele Studierende zeigten großes Interesse an den vorgestellten Themenbereichen und nutzten die Gelegenheit für ausführliche Fachgespräche mit unseren Expert:innen.

Neben den technologischen Innovationen lag ein besonderer Schwerpunkt auf den Karrieremöglichkeiten innerhalb unseres Unternehmens. Die Firmenmesse war eine wertvolle Gelegenheit, mit talentierten Studierenden ins Gespräch zu kommen, die sich für eine Karriere in der Bahntechnik interessieren. Viele junge Technikerinnen und Techniker informierten sich über mögliche Einstiegsmöglichkeiten bei uns. Der Austausch war für beide Seiten bereichernd – wir freuen uns, wenn wir einige Gesprächspartner:innen vielleicht schon bald wiedersehen, sei es bei einem Praktikum, Berufseinstieg oder im Rahmen spannender Projekte.

Unsere Teilnahme an der Firmenmesse der Bahnbranche unterstreicht einmal mehr unser Engagement, die Zukunft der Bahntechnik aktiv mitzugestalten und innovative Lösungen für die Mobilität von morgen zu entwickeln

Wir bedanken uns bei allen Besucherinnen und Besuchern für das große Interesse und die inspirierenden Gespräche. Wir freuen uns auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St. Pölten sowie auf zukünftige Begegnungen mit Studierenden, Partnern und Branchenexpert:innen.

3. UIC FRMCS Konferenz

UIC FRMCS Konferenz 2024

Es geht los – Beginn der Fieldtests von FRMCS

Während sich im herbstlich-verregneten Paris die melancholische Stimmung von „Autumn Leaves“ (Les Feuilles Mortes) ausbreitete, herrschte bei der internationalen Eisenbahnunion UIC Aufbruchstimmung. Im Jahr 2019 ins Leben gerufen, verfolgt die UIC FRMCS Konferenz das Ziel, über die Zukunft der Mobilkommunikation im Eisenbahnwesen und über das Mobilfunksystem „Future Railway Mobile Communication System“ (FRMCS) zu konferieren (siehe mein Blogbeitrag FRMCS ante portas).

Aus diesem Grund, trafen sich auch in diesem Jahr erneut mehr als 200 internationale Delegierten von Eisenbahngesellschaften, Herstellern, Verwaltungen, Verbände und Berater, um bei der 3rd UIC FRMCS Conference über die Fertigstellung der Version 2 der UIC Spezifikationen Ende 2024 und über den Beginn von FRMCS Fieldtests Anfang 2025 den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu pflegen. Die team ist seit Anbeginn bei der Konferenz dabei und arbeitet aktiv an der Standardisierung von FRMCS, wie beispielsweise im ETSI Technical Committee Railway Telecommunications, mit.

Zeitplan für die Einführung von FRMCS

Das wichtigste Thema bei der Konferenz war der weitere Zeitplan für die Einführung von FRMCS:

  • Ende 2024 werden die V2 Versionen der UIC Spezifikationen abgeschlossen, und ERA veröffentlicht eine „Technical Opinion“, in der die Spezifikationen abgesegnet (endorsed) werden, sodass sie als Basis für die MORANE2 Test dienen können.
  • 2025 und 2026 werden die MORANE2 Test durchgeführt. MORANE war vor ~25 Jahren der Rahmen für GSM-R Tests. In Anlehnung daran wird der Rahmen für FRMCS Tests MORANE2 genannt.
  • 2027 kommen die UIC V3 Spezifikationen, in die die Testergebnisse von MORANE2 einfließen.
  • 2027 kommt ebenfalls eine neue TSI CCS.
  • Die TSI 2027 und die darin referenzierten UIC-Spezifikationen bilden die Basis für die Entwicklung kommerzieller Produkte und für die Beschaffung 2028-2029.
  • 2032 kann mit der Abschaltung von GSM-R begonnen werden (die TSI sieht eine Übergangsfrist von 5 Jahren vor, daher TSI 2027 + 5 Jahre = 2032).
  • Ende 2035 soll GSM-R obsolet sein.

In Anbetracht der Komplexität wird der Zeitplan bis 2035 als sehr eng gesehen.

An den MORANE2 Tests nehmen 13 Eisenbahngesellschaften, 13 Lieferanten und 2 Betreiber öffentlicher Mobilfunknetze teil. Alle Funktionen werden zuerst in den Testlabors der Hersteller Ericsson, Kontron und Nokia getestet. Anschließend werden auf 5 Teststrecken in Spanien (2 Strecken), Niederlande, Deutschland und Schweden jeweils verschiedene Aspekte von FRMCS getestet, in Deutschland etwa die Interconnection zwischen FRMCS und GSM-R, in Schweden die Versorgung von Tunnels, oder in den Niederlanden FRMCS über öffentliche Mobilfunknetze.

Migrationspläne von GSM-R zu FRMCS

Parallel zu den Tests arbeiten alle Eisenbahngesellschaften mit Hochdruck an der Planung zur Einführung von FRMCS und zur Migration von GSM-R zu FRMCS. Die Pläne für diese Migration wurden von DB, SBB, SNCF und von Infrabel (Belgien) vorgestellt. Die Migrationspläne waren bereits im Vorjahr ein vielbeachteter Themenpunkt – mehr dazu in meinem Blogbeitrag zur UIC FRMCS Konferenz 2023.

Bahnkommunikation und Mobilkommunikation sind seit vielen Jahren Schwerpunkte von der team. Daher arbeitet die team auch aktiv an der Standardisierung von FRMCS mit und begleitet ihre Kunden bei der Modernisierung ihrer Mobilfunksysteme. Mit der Erfahrung aus ETCS, aus GSM-R, aus öffentlichem Mobilfunk und aus der Standarisierung von FRMCS besitzt die team sowohl die umfassende praktische Erfahrung wie auch das theoretische Rüstzeug zur Unterstützung von Eisenbahngesellschaften bei der Einführung von FRMCS.

Glossar
ERA – European Union Agency for Railways
ETCS – European Train Control System
ETSI – European Telecommunications Standards Institute
FRMCS – Future Railway Mobile Communication System
GSM-R – Globale System for Mobile communication – Rail
MORANE – Mobile Radio for Railway Networks in Europe
TSI CCS – Technical Specification for Interoperability, Control Command and Signalling
UIC – Union Internationale des Chemins de fer / Internationale Eisenbahnverband
RAIL-Digitalisierung_KI

Digitale Zukunft des Schienenverkehrs

Ein Rückblick auf den SIGNAL+DRAHT-Kongress 2024 in Fulda mit überraschender Begegnung

Die Digitalisierung des Schienenverkehrs steht zweifellos vor zahlreichen Herausforderungen, insbesondere durch die hohe Komplexität der bestehenden Systeme und der Vielzahl an Akteuren, die daran beteiligt sind. Beim diesjährigen SIGNAL+DRAHT-Kongress am 7. und 8. November wurde jedoch klar, dass einer der Schlüssel zum Erfolg in der Vereinfachung liegt. Die Experten:innen der Branche diskutierten über mehrere Schlüsselaspekte, die unabdingbar sind, um die dazu notwendige Digitalisierung effizient voranzutreiben.

team | Joanna Holler und Thomas Turek

Wir waren in diesem Jahr vor Ort dabei und möchten nun einige der zentralen Erkenntnisse mit euch teilen:

  1. Finanzierung sichern: Eine langfristige und verlässliche Finanzierung wurde als eine der notwendigsten Voraussetzungen für die Digitalisierungsprojekte genannt. Die vollständige Digitalisierung des Schienennetzes könnte durch unsichere Finanzierungsbedingungen zu einem langwierigen Prozess werden, der mehrere Generationen in Anspruch nehmen könnte.
  2. Parallele Systeme abschaffen: Der Betrieb mehrerer, unabhängiger Systeme führt nicht nur zu hohen Kosten, sondern auch zu Komplikationen bei der Umsetzung und Wartung. Die Experten:innen betonten die Sinnhaftigkeit einer Vereinfachung durch die Konzentration auf wenige, standardisierte Kerntechnologien.
  3. Zusammenarbeit und Abstimmung fördern: Der Erfolg von Projekten hängt stark von der Zusammenarbeit aller Beteiligten – Bauunternehmen, Verkehrsunternehmen, politischen Entscheidungsträgern und Anwohnern – ab. Als Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit wurde das Koralmbahnprojekt der ÖBB vorgestellt, bei dem die Kooperation verschiedener Interessengruppen durch den Tunnelbau besonders stark verdeutlicht wurde. Als team sind wir sehr stolz darauf, zum Erfolg dieses Projekts durch den Auftrag zur Projektbegleitung beigetragen zu haben.
  4. Genehmigungsprozesse beschleunigen: Um die Digitalisierung voranzutreiben, müssen Zulassungsverfahren beschleunigt und bürokratische Hürden überwunden werden, die die Einführung neuer Technologien erheblich verzögern.
  5. Fachkräftemangel entgegenwirken: Wie in vielen Branchen kämpft auch die Bahnindustrie mit einem Mangel an qualifiziertem Personal. Dieser Zustand beeinträchtigt die Betriebsqualität und -sicherheit, sowie die Umsetzung von Infrastrukturprojekten. Der verstärkte Einsatz von Automatisierung und digitalen Technologien kann helfen, junge Menschen zu gewinnen und zu binden, da dadurch die Arbeitsbelastung verringert wird.
  6. Technologische Lösungen vorantreiben: Der Einsatz von Technologien wie ETCS (European Train Control System) wird weiterhin optimistisch als Schlüssel zur Vereinfachung der Betriebsabläufe und Steigerung der Effizienz angesehen. Obwohl autonome Systeme (z.B. Remote Train Operation – vollautomatisierter Betrieb ohne Personal an Bord) noch nicht vollständig ausgereift sind, wird zunehmende Automatisierung als langfristige Lösung zur Bewältigung der komplexen Herausforderungen der Branche betrachtet. Experten:innen sehen in der jungen Generation die treibende Kraft für diese Entwicklung – vor allem aufgrund ihrer hohen Technikaffinität und der Bereitschaft, neue Technologien zu akzeptieren.
  7. Künstliche Intelligenz (KI) weiterentwickeln: KI trägt dazu bei, die Komplexität der Bahnbranche zu reduzieren, indem sie den Betriebsablauf optimiert, die Effizienz und Sicherheit steigert, die Wartung vereinfacht und den Schienenverkehr flexibler und anpassungsfähiger macht. Eine große Herausforderung bleibt jedoch die vollständige Integration von KI in sicherheitskritische Bereiche. Für KI-basierte Systeme ist die Qualität und Konsistenz der erhobenen Daten entscheidend, da ungenaue oder unvollständige Daten zu Fehlinterpretationen und ineffektiven Entscheidungen führen können. Der Mensch bleibt daher bis auf weiteres unerlässlich, um die von der KI vorgeschlagenen Lösungen zu bewerten und die endgültige Entscheidung zu treffen. Die Weiterentwicklung der KI könnte durch verstärkte Kooperationen mit Forschungsinstituten erheblich beschleunigt werden

Die Digitalisierung des Schienenverkehrs ist eine spannende, aber auch herausfordernde Reise. Von der Sicherstellung einer langfristigen Finanzierung bis hin zur Förderung von Innovationen – die Themenvielfalt war groß. Insgesamt waren die Experten:innen optimistisch, dass mit der richtigen Strategie und Zusammenarbeit die Digitalisierung des Schienennetzes erfolgreich vorangetrieben werden kann.

Besonders interessant war für uns die Begegnung mit dem Ehrengast des Kongresses, Prof. Dr.-Ing. Jochen Trinckauf.

Prof. Dr.-Ing. Trinckauf, Joanna Holler und Thomas Turek

Prof. Dr.-Ing. Trinckauf, ein anerkannter Experte in der Bahnsicherungstechnik und Gründer des CERSS Kompetenzzentrums Bahnsicherungstechnik, hat das unabhängige ingenieurwissenschaftliche Gutachten für das von der team entwickelte Verfahren der Bremskurvenüberwachung mittels kaskadierter Entlassungsgeschwindigkeit (KEG) erstellt. Das Gutachten bestätigt, dass das Verfahren den europäischen Spezifikationen entspricht und als geeignete Vorsichtsmaßnahme zur Vermeidung von Gefährdungen durch das unerlaubte Passieren von Haltsignalen und Zielsignalen gilt.

Im Namen der team gratulieren wir Prof. Dr.-Ing. Trinckauf zum Lebenswerkpreis, der ihm im Rahmen des Kongresses als herausragende Persönlichkeit der LST-Branche verliehen wurde!

Mobilfunkversorgung entlang der Eisenbahn: Eine wichtige Verbindung für die Zukunft

Die Eisenbahn ist nicht nur ein wichtiges Verkehrsmittel für Pendler und Reisende, sowie in der Logistik und im Güterverkehr, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Verminderung des CO² Ausstoßes. In einer zunehmend vernetzten Welt ist die Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken ein zentrales Thema, das sowohl für die Sicherheit der Reisenden als auch für die Effizienz des Bahnbetriebs von großer Bedeutung ist. Zudem erhöht es die Attraktivität des Verkehrsmittels Eisenbahn.

(c)ÖBB-Infa RailJet Mobilfunk
© ÖBB-Infra

Die Bedeutung der Mobilfunkversorgung

Sicherheit
Im Falle von Notfällen oder technischen Störungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass sowohl das Bahnpersonal als auch die Reisenden in der Lage sind, schnell Hilfe zu rufen oder Informationen zu erhalten. Eine lückenlose Mobilfunkabdeckung ermöglicht es, im Notfall schnell zu kommunizieren.

Echtzeitinformationen
Reisende möchten aktuelle Informationen über Verspätungen, Anschlusszüge oder alternative Reisemöglichkeiten erhalten. Eine gute Mobilfunkverbindung ermöglicht die Bereitstellung solcher Informationen in Echtzeit, sei es über Apps, Websites oder soziale Medien.

Digitalisierung und Automatisierung
Die Bahnindustrie ist im Wandel. Digitale Technologien, wie z.B. automatisierte Zugsysteme, intelligente Eisenbahnanlagen und Wartungslösungen benötigen eine stabile Mobilfunkverbindung, um effizient arbeiten zu können. Dies führt nicht nur zu einer verbesserten Pünktlichkeit, sondern auch zu einer höheren Sicherheit. Nebenbei bringt es Kostenersparnisse und eine Effizienzsteigerung in Betreib und Wartung.

Komfort für Reisende
Immer mehr Menschen erwarten auch während ihrer Reisen eine Internetverbindung. Ob für die Arbeit, das Streaming von Filmen oder das Surfen im Netz – eine gute Mobilfunkversorgung steigert den Komfort und die Zufriedenheit der Reisenden. Damit steigert sich auch die Bedeutung der Bahn als Verkehrsmittel der Wahl.

„PROGMO“, eine Initiative der ÖBB-INFRA

Die ÖBB-Infrastruktur AG hat der Mobilfunkversorgung ihrer stark befahrenen Strecken mit dem „Programm Mobilfunk“, kurz „PROGMO“, Rechnung getragen und unter Mitwirkung der team erfolgreich abgeschlossen.

Derzeit sind ca. 1.500 km des Streckennetzes mit 2G/3G/4G versorgt. Die versorgten Strecken werden auch seit der erfolgreichen Implementierung laufend optimiert.

Bereits jetzt ist 5G zum „Stand der Technik“ geworden was neue Initiativen erfordert. Diese stehen insbesondere vor der Herausforderung, dass beispielsweise deutlich höhere Netzwerkkapazitäten erforderlich werden, oder auch Anpassungen an neue Antennen- und Remote Unit-Systeme.

Errichtung eines Mobilfunkstandortes (© ÖBB-INFRA)

Fazit

Die Mobilfunkversorgung der Eisenbahnstrecken ist zunehmend wichtig und deren Errichtung gleichzeitig herausfordernd. Um am Stand der Technik zu bleiben, ist es notwendig, neue Aktivitäten zu starten und auch weitere Strecken mit Mobilfunk zu versorgen. Die team wird hierbei am Ball bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt darüber berichten.

Mehr Informationen zum Projekt PROGMO finden sich in unserem teamBlog:

Projekt-Einblicke: PROGMO

Das Programm Mobilfunk („PROGMO“) wurde bereits im Blog „Unser Beitrag zum Programm Mobilfunk der ÖBB“ vorgestellt. PROGMO hat den Zweck, die Mobilfunkversorgung entlang der Bahnstrecken zu verdichten und damit auch eine Rückfallebene für GSM-R zu bilden. PROGMO dient damit der Eisenbahnsicherheit, da Betriebsprozesse und sicherheitskritische Applikationen vom Mobilfunknetz abhängig sind und zukünftige Bahnfunksysteme die Verdichtung nutzen werden können. Die team unterstützt dabei von Beginn an das zentrale … Weiterlesen …
Unser Beitrag zum Programm Mobilfunk der ÖBB

Mit einem Investitionspaket von 100 Mio. Euro verbessern die ÖBB, das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) sowie die Mobilfunkunternehmen A1, T-Mobile und Drei die Mobilfunk‑Netzabdeckung mit GSM (2G), UMTS (3G) und LTE (4G) entlang der wichtigsten Bahnstrecken Österreichs. Bis Ende 2015 wurden bereits die Südbahnstrecke zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt (als Pilotstrecke) sowie die Schnellbahnstrecke zwischen Wien Mitte und dem Flughafen Wien … Weiterlesen …

Bahntechnik - InnoTrans

Eindrücke von der InnoTrans 2024

Die Anforderungen an Infrastrukturprojekte sind so vielfältig, dass kaum ein Unternehmen in der Lage ist, sie im Alleingang zu meistern. Vielmehr braucht es die Bildung von Te‌ams, in denen verschiedene Firmen unterschiedliche Rollen übernehmen, und das Zusammenspiel einer Vielzahl von Akteuren. Dazu ist die InnoTrans in Berlin (sie fand statt vom 24. bis 27. September) die perfekte Matchmaking Plattform zwischen Lieferindustrie, Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen, Serviceanbietern und der öffentlichen Hand.

Wir, die team, bringen uns ein, und unterstützen unsere Kunden:

  • in der Konzeption und Planung von Lösungen,
  • im Anforderungsmanagement und der Spezifizierung von Systemen,
  • im Qualitätsmanagement und Testen,
  • in der Vorbereitung sowie Abwicklung von Behördeneinreichungen,
  • als Projektmanager, in der Programmleitung und im Stakeholdermanagement.

Unsere Hauptpfeiler in der Bahnbranche sind die Leit- und Sicherungstechnik sowie Telekommunikationssysteme. Mit diesem Portfolio waren wir an allen 4 Tagen der Messe unterwegs, um bestehende Verbindungen zu festigen und neue Zusammenarbeiten zu initiieren. Auch haben wir uns über den Austausch zu den Zukunftsthemen ETCS Moving Block, ATO und digitale Stellwerke, die wir in verschiedenen Projekten mitgestalten, gefreut.

teamPlayer Wolfgang Hammerschmidt, Nikolai Kolsenikov, Salomé Christiani und Sebastian Preis an der InnoTrans 2024

KI als Schwerpunkt

In der team beschäftigen wir uns in einem Projekt mit KI zur Optimierung des Fahrbetriebs in Reaktion auf Störungen. KI hat heuer an der InnoTrans erstmals einen eigenen Schwerpunkt erhalten: es gab themenspezifische Touren mit Kurzinputs von Ausstellern, Präsentations- und Diskussionsformate. Es wurden Anwendungsfälle und Aspekte zu KI diskutiert und die Signifikanz der Bildung von Netzwerken sowie der Zusammenarbeit hervorgehoben:

  • Mit KI können Defekte auf Infrastruktur durch Video-Module am Zug frühzeitig erkannt werden. Das ermöglicht eine bessere Planbarkeit für Wartungseinsätze und die Bereitstellung notwendiger Ersatzteile. Die Vernetzung zwischen EVUs, EIUs und Lieferanten ist entscheidend um Predictive Maintenance Logistik-Ketten aufzubauen.
  • KI baut auf Datensätzen auf, die offengelegt werden müssen. Das steht teils im Spannungsfeld mit unternehmerischer Vertraulichkeit und Datenschutz. Diese Debatte zu führen ist notwendig, um das Potential von KI für Anwendungsfälle bei intermodalen Transportketten und regionsübergreifenden Fahrplanoptimierungen zu schöpfen.
  • Bei KI haben wir es mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Wie können wir mit Unsicherheiten der produzierten Ergebnisse im sicherheitskritischen Bereich umgehen? Ein Mitlesen, Verstehen und vor allem ein stringenter Validierungsprozess von « Außen » muss möglich sein.

Innovative, nachhaltige Ansätze

Die InnoTrans bietet einen sehr umfassenden Überblick zu Innovationen im Verkehr. Das betrifft nicht nur die Technik, sondern speziell auch die Relevanz des Transportwesens für unsere Gesellschaft und das Gemeinwohl. Da die team großen Wert auf Corporate Social Responsibility legt, haben wir beim Besuch der InnoTrans ein spezielles Augenmerk auf in diesem Bereich vorgestellte, innovative Ansätze gelegt:

  • Zur Förderung der Gesundheitsvorsorge im Alter, gibt es das Pilotprojekt, in dem sich der Fahrpreis für Senioren reduziert je mehr sie sich bewegen (durch einen Schrittzähler erfasst).
  • Stehen Großveranstaltungen an, kann der Bedarf an Zusatz-Zugsgarnituren für den Transport von Fans, Messe- oder Konzertgängern kurzfristig steigen. Flexibilität und einen effizienten Umgang mit Volatilitäten kann das Modell “Mieten statt Kaufen” auch für die Bahnbranche sicherstellen. Um einen Zug mieten zu können, müssen Anbieter und Abnehmer über Netzwerke zusammenfinden.
  • Bei der Erneuerung von Bahnanlagen fallen viele ausgediente Materialien an. Die Wiederverwendung von rückgebauten Bahnanlagen stellt eine logistische Herausforderung dar. Der Aufbau eines Partnernetzwerks, das in der Lage ist, passende Recyclingmöglichkeiten bereitzustellen und die Weiterverwertung nahtlos zu ermöglichen, ist maßgebend.

Die InnoTrans steht im Zeichen des Netzwerkens. Um Lösungen auf Fragestellungen zu finden, vor Allem die Zukunft der Bahnfahrt gemeinsam zu gestalten, braucht es Netzwerke, die funktionieren.

Glossar
ETCS – European Train Control System
ATO – Automatic Train Operation
KI – Künstliche Intelligenz

Zukunft Bahn - Wien Hauptbahnhof

29. Sicherungstechnische Fachtagung – Zwischen Herausforderungen und Erkenntnissen

Unsere Teilnahme an der diesjährigen, mittlerweile bereits schon 29. Sicherungstechnischen Fachtagung, ausgerichtet durch die TU Dresden, begann mit einer unerwarteten Herausforderung: der Anreise trotz Hochwasser. Die unvorhergesehenen Wetterbedingungen führten zu erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr – die Fahrt über Prag nach Dresden war davon aber wider Erwarten nicht betroffen. Diese Erfahrung zeigte uns direkt zu Beginn, wie bedeutend die Themen der Veranstaltung für die Praxis sind – nämlich die Notwendigkeit einer widerstandsfähigen Bahninfrastruktur und eines effizienten Betriebs, auch bei extremen Bedingungen.

Carolabrücke in Dresden © Martin K. Müller

Trotzdem der Fokus der meisten der Vorträge auf den Eigenheiten der Projektabwicklung und den betrieblichen Aspekten und weiteren Herausforderungen im Kontext der Deutschen Bahn lag, überschneiden sich die Kernthemen durchaus mit denen, die aus teamProjekten im Bahnsektor bekannt sind. Diese lassen sich in drei Themenkomplexe zusammenfassen:

Probleme mit der Genauigkeit und Verlässlichkeit von Bestandsdaten

Eines der zentralen Themen der Fachtagung war die Problematik der mangelhaften Bestandsdaten. Viele Sicherungssysteme sind auf exakte und aktuelle Daten angewiesen, um präzise arbeiten zu können. Doch die Realität zeigt oft, dass Bestandsdaten nicht immer verlässlich oder vollständig sind. Insbesondere Verbesserungen im Vermessungsprozess und die digitale Aufbereitung und Weiterverarbeitung der erhobenen Daten kann zur Verbesserung der Datengenauigkeit führen und andererseits gleichzeitig den Arbeitsablauf vereinfach bzw. effizienter gestalten können.

Komplexität des Regelwerks – Ein Hemmnis für Fortschritt

Ein weiterer wiederkehrender Aspekt waren die Herausforderungen durch die immer komplexer werdenden Regelwerke. Es wurde kritisch angemerkt, dass viele der aktuellen Regeln nicht algorithmisch abbildbar sind, was den Einsatz moderner, automatisierter Lösungen erschwert. Diese fehlende Standardisierung macht es schwierig, effiziente Abläufe zu gestalten und sorgt für zusätzliche bürokratische Hürden. Dies deckt sich mit unseren Erfahrungen in Projekten, da auch hier Einschränkungen und Komplexitäten des bestehenden Regelwerks ein häufig diskutierter Punkt sind. Der Appell der Vortragenden, das Regelwerk zu vereinfachen und moderne Technologien zu nutzen, um die Praxis effizienter zu gestalten, hat daher auch für unsere zukünftige Arbeit hohe Relevanz.

Aufwendige Gutachten und Freigabeprozesse als Stolpersteine

Ein weiteres Thema waren die aufwändigen Gutachten und Freigabeprozesse, die den Weg von der Planung zur Umsetzung von Sicherungstechnik erheblich verlängern. Obwohl diese Prozesse unabdingbar für die Sicherheit sind, führen sie zu Verzögerungen, die sowohl einen erhöhten Aufwand für die Betreiber, Gutachter und Behörden darstellt und andererseits die Inbetriebnahme neuer Strecken mit einem höherwertigen Zugsicherungssystem unnötig verzögert. Die Veranstaltung bot einige interessante Ansätze zur Optimierung dieser Prozesse, etwa durch den Einsatz digitaler Tools, die Prüfungen und Gutachten beschleunigen können. Durch die Vermeidung redundanter Prüfungen und einer durchgängigen Kette digital verarbeiteter Daten als Prüfungsgrundlage kann in diesem Bereich eine drastische Effizienzsteigerung erreicht werden.

Hauptbahhnhof Wien

Fazit

Die diesjährige Sicherungstechnische Fachtagung hat uns wichtige Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und möglichen Lösungen im Bereich der Sicherungstechnik gegeben. Für uns als die team, waren insbesondere die spezifischen Herausforderungen bei der DB ein wertvoller Input.

Trotz der widrigen Umstände bei der Anreise war es eine lohnenswerte Veranstaltung voller wertvoller Erkenntnisse und interessanter Gespräche. Der fachliche Austausch mit Experten, Bahnbetreiber, Forschungseinrichtungen und Dienstleister im Bahnsektor und die gewonnenen Impulse werden sicher Einfluss auf unsere zukünftige Arbeit nehmen. Wir freuen uns darauf, diese Ideen in die Praxis umzusetzen und unsere Kunden in der Rail-Branche bestmöglich bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen zu unterstützen.