Die ILA 2026 in Berlin hat eines klar gezeigt: Raumfahrt ist nicht mehr nur Zukunftsthema, Forschungsfeld oder industrielles Spezialsegment. Sie ist kritische Infrastruktur geworden.
Und zwar nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Es geht um Resilienz, sichere Konnektivität, Erdbeobachtung, souveräne Lieferketten, Schutz vor neuen Bedrohungen – und um klar definierte Schnittstellen auf technischer, organisatorischer und operativer Ebene.
Gerade in den Diskussionen rund um Space, Defense, sichere Kommunikation, Counter UAS, In-Space Operations und europäische Souveränität wurde deutlich: Die entscheidenden Fragen liegen nicht mehr nur in einzelnen Technologien. Sie entstehen zunehmend dort, wo Systeme, Organisationen, Programme und Partner zusammengeführt werden müssen.

Europa denkt Raumfahrt zunehmend als Systemaufgabe
Ein zentrales Bild der ILA 2026 war für mich: Space ist kein isolierter Bereich mehr.
Erdbeobachtung, sichere Kommunikation, Navigation, Defence, zivile Schutzaufgaben, industrielle Lieferketten und politische Souveränität greifen immer stärker ineinander. Raumfahrt wird damit zu einem Baustein europäischer Handlungsfähigkeit.
Der Satz „Space is not a stand-alone discipline“ bringt diese Entwicklung sehr gut auf den Punkt.
In der Praxis bedeutet das: Satelliten, Bodensegmente, Datenplattformen, Nutzerorganisationen, Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und industrielle Partner müssen zusammengedacht werden. Es reicht nicht mehr, einzelne technologische Fähigkeiten isoliert zu entwickeln. Entscheidend ist, wie sie in einem größeren Systemverbund zuverlässig funktionieren.

Interoperabilität entscheidet über Umsetzungsfähigkeit
Ein zweiter Punkt, der sich durch viele Gespräche und Panels zog: Interoperabilität.
Ob resiliente Erdbeobachtung, sichere europäische Konnektivität, In-Space Operations oder offene modulare Architekturen im Defence-Umfeld: Immer wieder ging es um Schnittstellen, Standards, Rollen, Verantwortlichkeiten und belastbare Systemarchitekturen.
Eine Aussage aus einer Session zu offenen modularen Architekturen blieb besonders hängen:
Wenn Schnittstellen nicht sauber definiert sind, lassen sich Systeme auch nicht wirklich standardisieren oder modularisieren.
Das klingt zunächst technisch. In der Umsetzung ist es aber mindestens ebenso stark eine Management- und Governance-Frage.
- Wer legt die Schnittstellen fest?
- Wer hält die Architektur konsistent?
- Wie werden Anforderungen zwischen Auftraggebern, Industriepartnern, Behörden und späteren Nutzer:innen abgestimmt?
- Wie wird verhindert, dass Modularität zwar auf Folien gut aussieht, in Beschaffung und Integration aber nicht funktioniert?
Gerade bei komplexen Technologieprogrammen zeigt sich häufig: Die technische Herausforderung ist nur ein Teil des Problems. Die eigentliche Komplexität entsteht dort, wo viele Organisationen, unterschiedliche Interessen, regulatorische Anforderungen und enge Zeitpläne aufeinandertreffen.

Geschwindigkeit braucht Struktur
Ein weiterer Schwerpunkt der ILA war die Frage, wie neue Fähigkeiten schneller in die Anwendung kommen.
Besonders deutlich wurde das bei Counter UAS, softwaredefinierten Systemen, modularen Architekturen und kurzen Innovationszyklen. Neue Bedrohungen und technologische Möglichkeiten entstehen in immer kürzeren Abständen. Gleichzeitig müssen bestehende Systeme weiter betrieben, abgesichert und nachvollziehbar integriert werden.
Das stellt Programme vor eine doppelte Herausforderung:
Einerseits müssen sie schneller werden. Andererseits dürfen sie dabei weder Sicherheit noch Qualität, Nachvollziehbarkeit oder Abnahmefähigkeit verlieren.
Kurze, iterative Entwicklungszyklen, hybride Projektmanagementansätze und modulare Systemarchitekturen können hier helfen. Sie funktionieren aber nur, wenn sie in eine klare Struktur eingebettet sind. Denn Geschwindigkeit ohne Struktur führt schnell zu Reibungsverlusten. Struktur ohne Geschwindigkeit führt dagegen zu Programmen, die an der Realität vorbeilaufen, weil sie zu stark hinterherhinken.
Die Kunst liegt darin, beide Perspektiven zu verbinden – mit pragmatischen Lösungen und hybriden Ansätzen, die Geschwindigkeit und Struktur gleichermaßen ermöglichen.
Was das für komplexe Technologieprogramme bedeutet
Die ILA 2026 hat anschaulich gezeigt, dass sich die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt nicht allein durch bessere Einzelkomponenten beantworten lassen.
Natürlich braucht es exzellente Sensorik, leistungsfähige Satelliten, sichere Kommunikationssysteme, robuste Plattformen und innovative Software. Diese Bausteine sind im europäischen Ökosystem bereits Großteiles vorhanden. Ihren Wert entfalten sie jedoch erst, wenn sie in einem beherrschbaren Gesamtsystem zusammenwirken.
Dafür braucht es Rollen, die nicht nur einzelne Produkte vertreten, sondern das Gesamtvorhaben im Blick behalten.
- Es braucht unabhängige Systemintegration.
- Es braucht belastbares Requirements Engineering.
- Es braucht Qualitätsmanagement, das früh genug ansetzt und Risiken gegeneinander abwägt.
- Es braucht Programmsteuerung, die technische, regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen zusammenführt.
- Und es braucht Partner, die zwischen Auftraggebern, Technologieanbietern, Behörden, Betreiberorganisationen und Nutzer:innen übersetzen können.
Genau hier entsteht aus unserer Sicht in den kommenden Jahren ein wachsender Bedarf.


Wo die team ansetzt
Bei der team beschäftigen wir uns genau mit diesen Schnittstellen.
Unser Beitrag besteht nicht darin, ein weiteres Produkt in ein ohnehin komplexes Ökosystem einzubringen. Unser Beitrag liegt darin, komplexe Technologievorhaben in sicherheitskritischen Umfeldern strukturiert in die Umsetzung zu bringen.
Das bedeutet konkret:
- Wir unterstützen Organisationen dabei, Anforderungen sauber zu erfassen, zu strukturieren und über den Projektverlauf beherrschbar zu halten.
- Wir helfen, Rollen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zwischen Auftraggebern, Lieferanten, Systempartnern und Betreibern zu klären.
- Wir bringen Projekt- und Programmsteuerung in Vorhaben, in denen viele Stakeholder, hohe technische Komplexität und regulatorische Anforderungen zusammenkommen.
- Wir unterstützen bei Qualitätssicherung, Reviews, Abnahmefähigkeit und der Vorbereitung beschaffungsfähiger Strukturen.
- Und wir verbinden Erfahrung aus sicherheitskritischen Bereichen wie Aviation, ATM, Flughafen-IT, kritischer Infrastruktur und komplexer Systemintegration mit den aktuellen Herausforderungen in Space und Defence.
Gerade dort, wo neue Fähigkeiten schnell in bestehende operative Umgebungen integriert werden müssen, ist diese Perspektive entscheidend. Denn am Ende genügt es nicht, dass eine Lösung technisch funktioniert. Sie muss auch in den Betrieb passen, sicher eingeführt werden können, regulatorisch nachvollziehbar sein und von den beteiligten Organisationen getragen werden.
Von Technologie zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit
Die wichtigste Erkenntnis der ILA 2026 ist für mich daher nicht, dass Europa mehr Technologie braucht. Das stimmt – greift aber zu kurz.
Europa braucht vor allem die Fähigkeit, Technologie wirksam umzusetzen.
Das setzt voraus, dass Partner gemeinsam arbeitsfähig werden. Schnittstellen müssen tragfähig definiert sein. Anforderungen müssen verständlich, überprüfbar und stabil genug bleiben, ohne notwendige Flexibilität zu verlieren. Programme müssen so gesteuert werden, dass Innovation möglich bleibt und zugleich Sicherheit, Qualität und Abnahmefähigkeit gewährleistet sind.
Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus guten Konzepten belastbare Fähigkeiten werden.

Unser Fazit
Raumfahrt wird zunehmend Teil europäischer kritischer Infrastruktur. Damit steigen die Anforderungen an Resilienz, Interoperabilität, Souveränität und Umsetzungsfähigkeit. Die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt werden nicht durch Technologie allein gelöst. Sie werden dort gelöst, wo viele leistungsfähige Partner gemeinsam handlungsfähig werden.
Genau dort wird unabhängige, strukturierte und qualitätsgesicherte Systemintegration immer wichtiger.
Für die team ist das ein sehr klares Handlungsfeld: Wir unterstützen Betreiber, Behörden, Systemhäuser und Industriepartner dabei, komplexe Technologieprogramme in sicherheitskritischen Umfeldern erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Von der Anforderungsbasis über Governance und Lieferantenkoordination bis hin zu Qualitätssicherung und Abnahmevorbereitung.
Damit aus technologischer Leistungsfähigkeit auch operative Wirkung wird.
Glossar
ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.
GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).
ATM – Air Traffic Management



