Fachreferat bei den Metering Days 2016 in Fulda

Auf Einladung des ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.) habe ich im Rahmen der „Metering Days 2016“ über unsere Erfahrungen der Smart Meter Projekte in Österreich referiert. Trotz Unterschiede zwischen der Regulierung in Deutschland und Österreich, z. B. die Rolle des Messstellenbetreibers, sind unsere einschlägigen Erfahrungen in Österreich mit der Umsetzung von Smart Meter Projekten wertvoll und haben zu interessanten Fragen und Diskussionen geführt.

Im Juli 2016 wurde in Deutschland mit dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) eine wesentliche gesetzliche Grundlage geschaffen. Des Weiteren wurden zahlreiche Verordnungen angepasst (EnWG, KWKG, EEG). Interessant aber nicht ganz überraschend ist, dass trotz einer im Vergleich zu Österreich sehr umfassenden Regelung viele ungeklärte Fragen bestehen. Insbesondere an der Anpassung der Regeln für die Marktkommunikation wird gearbeitet. In vielen Vorträgen wurden Markt- und Geschäftsmodelle adressiert und anhand von Beispielen aus dem Internet (zB airbnb) auf die Bedeutung der Digitalisierung der Energiewende hingewiesen (Erklärung: Im Gegensatz zu Österreich ist der Messstellenbetrieb in Deutschland im wettbewerblichen Bereich verankert und es wurden lediglich Preisobergrenzen bestimmt).

Trotz weitgehender Standardisierung der Messgeräte und Kommunikationsgateways erweist sich das Zusammenspiel (Interoperability und Interchangeability) noch als fehleranfällig. Die Erklärung hierfür sind fehlende verbindliche technische Richtlinien (TR). Dies und die noch nicht vorhandene Erfahrung in der Umsetzung komplexer (IT-) Projekte verunsichern viele EVUs (Energieversorgungsunternehmen) zusätzlich und verzögern einen umfassenden Start der Umsetzung.

Die große Anzahl der teilnehmenden Fachexperten und Entscheidungsträger zeigt die Bedeutung der sehr professionell von ZVEI organisierten und moderierten Smart Metering Days 2016. Im Rahmen der gesamten Veranstaltung führten meine Kollegen Bernd Stemmann, Thomas Grieche und ich interessante Diskussionen mit Experten aus allen involvierten Themenbereichen.

Die team ist in Österreich im Smart Metering Bereich seit 2014 erfolgreich tätig. Dabei wurde umfangreiches Wissen zu Vorgehensmodellen bei der Umsetzung der Smart Meter Rollouts sowie im Bereich der Beratung, Prozess- und Geschäftsmodellierung als auch Qualitätssicherung erworben. Dies ist die perfekte Basis um unsere Aktivitäten im Smart Metering Feld in Deutschland rasch weiterzuentwickeln. Um effizienter auf Kundenbedürfnisse in Deutschland reagieren zu können gibt es seit kurzem auch eine Firmenrepräsentanz der team in Deutschland.

team@Utility Week 2015 in Wien

Seit Anfang 2014 betreut team Netzbetreiber in Österreich zur Umsetzung der IMA-VO bei der Festlegung der Beschaffungsstrategie, Technologien, Ausschreibungsdokumente, Verfahrensbegleitung, Systeme und Systemanpassungen, Gestaltung der Prozesse sowie der Vorbereitung auf den Roll-Out. Die größte Herausforderung für viele unserer Kunden ist die Navigation durch die Vielfalt an gebotenen Lösungen und Technologien, das Priorisieren und Einschätzen der einzelnen Themen und Aufgaben sowie die Formulierung „machbare“ und zugleich „zukunftweisende“ Anforderungen. In einem wichtigen aber arbeitsintensiven Prozess muss die richtige Mischung für die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden. Aufbauend auf den Erfahrungen unseres Partners Tieto im Bereich der Umsetzung von Smart Metering in den Nordics sowie der umfangreichen Erfahrung von team im Bereich der Gestaltung von Ausschreibungen und Vergabeverfahren, der Gestaltung von Geschäftsprozessen, Requirementsengineering und Telekommunikation (Mobilfunk, Festnetz sowie PLC) dürfen wir auf die ersten, erfolgreich durchgeführten Beschaffungsvorgänge zurückblicken und begleiten die Implementierung.

Beschaffung Zählerinfrastruktur

Das funktionale Anforderungsprofil an das intelligente Messgerät und die Backend-Systeme in Österreich wird durch die ElWOG-Verordnungen (IMA-VO, DAVID-VO) bestimmt. Auf Grund des Interpretationsspielraums wurden seitens des Verbands der österreichischen Energiewirtschaft (Österreichs Energie) Musteranforderungen, Bestimmungen zur Ende-zu-Ende Sicherheit und Anwendungsfälle definiert. Mit diesen Bausteinen und Rahmenbedingungen erarbeiten wir ein Konzept mit wesentlichen Entscheidungspunkten sortiert nach Themengebieten und leiten unsere Kunden durch diesen schwierigen Auswahlprozess. Gleichzeitig wird mit „state-of-the-art“ RE-Techniken und Werkzeugen die Aufnahme und Formulierung der Lastenhefte vorangetrieben und über einen Reviewprozess einer umfassenden Qualitätssicherung unterworfen. In der Regel erfordern zwischen 600 und 800 Anforderungen auf in Summe mehr als 300 Seiten einen sehr gut geplanten und strukturierten Prozess. Unsere Erfahrung aus vielen großen Beschaffungsprojekten im Bereich österreichischer Infrastrukturbetreiber (ASFINAG, ÖBB, BBG, usw.) wird hier gewinnbringend für unsere Kunden genutzt. 

Anwendungsfälle und Prozesse – „das Salz in der Suppe“

Die Automatisierung des Messwesens in der Energiewirtschaft wird die Prozesslandschaft durchgreifend verändern. Bestehende Prozesse – zB der Ablesung, Ein- und Umzug, usw. werden sich ändern – neue Prozesse für den Betrieb der Infrastruktur sind zu definieren. Die Veränderung bleibt aber nicht nur beim Netzbetreiber – auch der Energielieferant muss sich mit den neuen Möglichkeiten detailliert erfasster Lastprofile und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Marktsegmentierung und Preisgestaltung auseinandersetzen. Auf Basis unserer „best practice“ Methoden entwickeln wir die Prozesslandkarte zur Klassifizierung und Strukturierung der Prozesse. Der Fokus in Detaillierung der Prozesse liegt auf der Interaktion zwischen und mit den Systemen. Damit ergibt sich ein direkter und unmittelbarer Zusammenhang zu den systemischen Anwendungsfällen (Use-Cases) und den einzelnen Anforderungen an die Systeme. 

Die sich verändernde IT-Systemlandschaft

Die Einführung der Smart Meter bringt neue Systeme und führt zu Erweiterungen/Anpassungen bestehender Systeme. Insbesondere werden neue Schnittstellen und ggf. neue Technologien/Architekturen eingesetzt. Sicherheit und Geheimhaltung werden im Zusammenhang mit Smart Metering neu bewertet und veränderte Prozesse und Technologien stellen neue Anforderungen an die Skills der Unternehmen. Eine Zertifizierung nach ISO 27001 wird von vielen EVU angestrebt und gleichermaßen von der Lieferindustrie gefordert. Ohne mobile Endgeräte ist die Installation eines Smart Meters defacto nicht möglich, ein durchgehender IT-gestützter und sicherer Prozess muss von den Backend-Systemen bis zu den Endgeräten für Aussendienstmitarbeiter realisiert werden. Die Nutzung der vorhandenen GIS-Informationen für die Betriebsführung ist im Zusammenhang mit Smart Meter obligatorisch – genauso wie die Einbindung der Geräte, Netzwerkinfrastruktur und Backend-Systeme in eine adäquate Infrastruktur zum Monitoring, Konfigurations- und Alarm- und Fehlermanagement. 

Der Roll-out – am Fließband in die Fläche

Der Massentausch von Messgeräten ist Fließbandarbeit unter besonderen Rahmenbedingungen – nicht jede Kundenanlage ist gleich – die Kommunikationsanbindung via (Mobil) Funk oder PLC nicht immer „plug & play“. Hier erweist sich die Erfahrung unseres Partners Tieto aus den nordischen Roll-out und dem mehrjährigen Betrieb der Zählerinfrastruktur im Auftrag von Energieversorgern besonders wertvoll. Wie jede Serienfertigung muss der Roll-out minuziös geplant, geprüft und schrittweise implementiert und trainiert werden. Aber auch die unterstützenden Werkzeuge für die Planung, Kommunikation, Disposition und Überwachung müssen sitzen wie ein Maßanzug – für Ineffizienz und Fehler ist kein Platz wenn der Austausch rasch und zu vertretbaren Kosten durchgeführt werden soll. Wir unterstützen mit Experten Workshops zur Identifikation und Strukturierung der beim Roll-Out wichtigen Fähigkeiten und Herausforderungen. Mit dieser Startbasis ist es für unsere Kunden leichter, die eigenen Voraussetzungen richtig einzuschätzen und für die jeweiligen Rahmenbedingungen eine optimale Umsetzungsstrategie zu wählen. Wir bieten unsere Erfahrung und Kompetenz bei der Definition und Beschaffung allfällig erforderlicher Dienstleistungen, Spezifikation von System- und Prozessanpassungen und der Steuerung und Überwachung des eigentlichen Roll-Outs – vom Pre Roll-Out bis zum Clean-up Service.