ILA 2026

ILA 2026: Warum Raumfahrt zur kritischen Infrastruktur wird

Die ILA 2026 in Berlin hat eines klar gezeigt: Raumfahrt ist nicht mehr nur Zukunftsthema, Forschungsfeld oder industrielles Spezialsegment. Sie ist kritische Infrastruktur geworden.

Und zwar nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Es geht um Resilienz, sichere Konnektivität, Erdbeobachtung, souveräne Lieferketten, Schutz vor neuen Bedrohungen – und um klar definierte Schnittstellen auf technischer, organisatorischer und operativer Ebene.

Gerade in den Diskussionen rund um Space, Defense, sichere Kommunikation, Counter UAS, In-Space Operations und europäische Souveränität wurde deutlich: Die entscheidenden Fragen liegen nicht mehr nur in einzelnen Technologien. Sie entstehen zunehmend dort, wo Systeme, Organisationen, Programme und Partner zusammengeführt werden müssen.

ILA 2026

Europa denkt Raumfahrt zunehmend als Systemaufgabe

Ein zentrales Bild der ILA 2026 war für mich: Space ist kein isolierter Bereich mehr.

Erdbeobachtung, sichere Kommunikation, Navigation, Defence, zivile Schutzaufgaben, industrielle Lieferketten und politische Souveränität greifen immer stärker ineinander. Raumfahrt wird damit zu einem Baustein europäischer Handlungsfähigkeit.

Der Satz „Space is not a stand-alone discipline“ bringt diese Entwicklung sehr gut auf den Punkt.

In der Praxis bedeutet das: Satelliten, Bodensegmente, Datenplattformen, Nutzerorganisationen, Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben und industrielle Partner müssen zusammengedacht werden. Es reicht nicht mehr, einzelne technologische Fähigkeiten isoliert zu entwickeln. Entscheidend ist, wie sie in einem größeren Systemverbund zuverlässig funktionieren.

Interoperabilität entscheidet über Umsetzungsfähigkeit

Ein zweiter Punkt, der sich durch viele Gespräche und Panels zog: Interoperabilität.

Ob resiliente Erdbeobachtung, sichere europäische Konnektivität, In-Space Operations oder offene modulare Architekturen im Defence-Umfeld: Immer wieder ging es um Schnittstellen, Standards, Rollen, Verantwortlichkeiten und belastbare Systemarchitekturen.

Eine Aussage aus einer Session zu offenen modularen Architekturen blieb besonders hängen:
Wenn Schnittstellen nicht sauber definiert sind, lassen sich Systeme auch nicht wirklich standardisieren oder modularisieren.

Das klingt zunächst technisch. In der Umsetzung ist es aber mindestens ebenso stark eine Management- und Governance-Frage.

  • Wer legt die Schnittstellen fest?
  • Wer hält die Architektur konsistent?
  • Wie werden Anforderungen zwischen Auftraggebern, Industriepartnern, Behörden und späteren Nutzer:innen abgestimmt?
  • Wie wird verhindert, dass Modularität zwar auf Folien gut aussieht, in Beschaffung und Integration aber nicht funktioniert?

Gerade bei komplexen Technologieprogrammen zeigt sich häufig: Die technische Herausforderung ist nur ein Teil des Problems. Die eigentliche Komplexität entsteht dort, wo viele Organisationen, unterschiedliche Interessen, regulatorische Anforderungen und enge Zeitpläne aufeinandertreffen.

Geschwindigkeit braucht Struktur

Ein weiterer Schwerpunkt der ILA war die Frage, wie neue Fähigkeiten schneller in die Anwendung kommen.

Besonders deutlich wurde das bei Counter UAS, softwaredefinierten Systemen, modularen Architekturen und kurzen Innovationszyklen. Neue Bedrohungen und technologische Möglichkeiten entstehen in immer kürzeren Abständen. Gleichzeitig müssen bestehende Systeme weiter betrieben, abgesichert und nachvollziehbar integriert werden.

Das stellt Programme vor eine doppelte Herausforderung:
Einerseits müssen sie schneller werden. Andererseits dürfen sie dabei weder Sicherheit noch Qualität, Nachvollziehbarkeit oder Abnahmefähigkeit verlieren.

Kurze, iterative Entwicklungszyklen, hybride Projektmanagementansätze und modulare Systemarchitekturen können hier helfen. Sie funktionieren aber nur, wenn sie in eine klare Struktur eingebettet sind. Denn Geschwindigkeit ohne Struktur führt schnell zu Reibungsverlusten. Struktur ohne Geschwindigkeit führt dagegen zu Programmen, die an der Realität vorbeilaufen, weil sie zu stark hinterherhinken.

Die Kunst liegt darin, beide Perspektiven zu verbinden – mit pragmatischen Lösungen und hybriden Ansätzen, die Geschwindigkeit und Struktur gleichermaßen ermöglichen.

Was das für komplexe Technologieprogramme bedeutet

Die ILA 2026 hat anschaulich gezeigt, dass sich die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt nicht allein durch bessere Einzelkomponenten beantworten lassen.

Natürlich braucht es exzellente Sensorik, leistungsfähige Satelliten, sichere Kommunikationssysteme, robuste Plattformen und innovative Software. Diese Bausteine sind im europäischen Ökosystem bereits Großteiles vorhanden. Ihren Wert entfalten sie jedoch erst, wenn sie in einem beherrschbaren Gesamtsystem zusammenwirken.

Dafür braucht es Rollen, die nicht nur einzelne Produkte vertreten, sondern das Gesamtvorhaben im Blick behalten.

  • Es braucht unabhängige Systemintegration.
  • Es braucht belastbares Requirements Engineering.
  • Es braucht Qualitätsmanagement, das früh genug ansetzt und Risiken gegeneinander abwägt.
  • Es braucht Programmsteuerung, die technische, regulatorische und wirtschaftliche Anforderungen zusammenführt.
  • Und es braucht Partner, die zwischen Auftraggebern, Technologieanbietern, Behörden, Betreiberorganisationen und Nutzer:innen übersetzen können.

Genau hier entsteht aus unserer Sicht in den kommenden Jahren ein wachsender Bedarf.

Wo die team ansetzt

Bei der team beschäftigen wir uns genau mit diesen Schnittstellen.

Unser Beitrag besteht nicht darin, ein weiteres Produkt in ein ohnehin komplexes Ökosystem einzubringen. Unser Beitrag liegt darin, komplexe Technologievorhaben in sicherheitskritischen Umfeldern strukturiert in die Umsetzung zu bringen.

Das bedeutet konkret:

  • Wir unterstützen Organisationen dabei, Anforderungen sauber zu erfassen, zu strukturieren und über den Projektverlauf beherrschbar zu halten.
  • Wir helfen, Rollen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen zwischen Auftraggebern, Lieferanten, Systempartnern und Betreibern zu klären.
  • Wir bringen Projekt- und Programmsteuerung in Vorhaben, in denen viele Stakeholder, hohe technische Komplexität und regulatorische Anforderungen zusammenkommen.
  • Wir unterstützen bei Qualitätssicherung, Reviews, Abnahmefähigkeit und der Vorbereitung beschaffungsfähiger Strukturen.
  • Und wir verbinden Erfahrung aus sicherheitskritischen Bereichen wie Aviation, ATM, Flughafen-IT, kritischer Infrastruktur und komplexer Systemintegration mit den aktuellen Herausforderungen in Space und Defence.

Gerade dort, wo neue Fähigkeiten schnell in bestehende operative Umgebungen integriert werden müssen, ist diese Perspektive entscheidend. Denn am Ende genügt es nicht, dass eine Lösung technisch funktioniert. Sie muss auch in den Betrieb passen, sicher eingeführt werden können, regulatorisch nachvollziehbar sein und von den beteiligten Organisationen getragen werden.

Von Technologie zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit

Die wichtigste Erkenntnis der ILA 2026 ist für mich daher nicht, dass Europa mehr Technologie braucht. Das stimmt – greift aber zu kurz.

Europa braucht vor allem die Fähigkeit, Technologie wirksam umzusetzen.

Das setzt voraus, dass Partner gemeinsam arbeitsfähig werden. Schnittstellen müssen tragfähig definiert sein. Anforderungen müssen verständlich, überprüfbar und stabil genug bleiben, ohne notwendige Flexibilität zu verlieren. Programme müssen so gesteuert werden, dass Innovation möglich bleibt und zugleich Sicherheit, Qualität und Abnahmefähigkeit gewährleistet sind.

Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob aus guten Konzepten belastbare Fähigkeiten werden.

Unser Fazit

Raumfahrt wird zunehmend Teil europäischer kritischer Infrastruktur. Damit steigen die Anforderungen an Resilienz, Interoperabilität, Souveränität und Umsetzungsfähigkeit. Die großen Fragen der europäischen Luft- und Raumfahrt werden nicht durch Technologie allein gelöst. Sie werden dort gelöst, wo viele leistungsfähige Partner gemeinsam handlungsfähig werden.

Genau dort wird unabhängige, strukturierte und qualitätsgesicherte Systemintegration immer wichtiger.

Für die team ist das ein sehr klares Handlungsfeld: Wir unterstützen Betreiber, Behörden, Systemhäuser und Industriepartner dabei, komplexe Technologieprogramme in sicherheitskritischen Umfeldern erfolgreich in die Umsetzung zu bringen. Von der Anforderungsbasis über Governance und Lieferantenkoordination bis hin zu Qualitätssicherung und Abnahmevorbereitung.

Damit aus technologischer Leistungsfähigkeit auch operative Wirkung wird.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

ATM – Air Traffic Management

Global Navigation Satellite System-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

Herausforderungen und Lösungsansätze

Anknüpfend an unseren Blogbeitrag zum NAVIS Workshop vom 29. Jänner 2025 in Wien, beschäftigen wir uns in diesem Blogbeitrag mit den potenziellen Auswirkungen sowie möglichen Lösungsansätzen, die durch die heutige GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen besteht.

Wenn GPS/Galileo ausfällt: Die verborgenen Risiken für unsere kritischen Systeme

In der heutigen Welt ist die Befriedigung unserer Bedürfnisse stark von der Verfügbarkeit von GNSS (GPS/Galileo) abhängig. Doch in Zeiten multipler Krisen können wir nicht davon ausgehen, dass diese Systeme unter allen Umständen fehlerfrei funktionieren.

Vielleicht denken Sie: „Was ist schon dabei? Ich nehme einfach eine Papierkarte.“ Doch der Ausfall von GNSS betrifft weit mehr als nur die Navigation. So ist beispielsweise das Stromnetz—eine Schlüsselkomponente kritischer Infrastruktur—auf GNSS für präzise Zeitsynchronisation angewiesen. Ohne diese Synchronisation riskieren wir großflächige Blackouts.

GNSS-Ausfälle können durch Jamming (z. B. mit kleinen tragbaren Geräten) oder Spoofing verursacht werden und gefährden essenzielle Systeme und Dienste, darunter:

  • Stromnetze: Sie sind abhängig von GNSS für die Zeitsynchronisation, die für die Netzstabilität, die Koordination von Kraftwerken und die schnelle Fehlererkennung unerlässlich ist.
  • Mobilfunknetze: Sie benötigen präzise Zeitstempel für einen nahtlosen Betrieb.
  • Verkehrssysteme: Sie setzen auf präzise GNSS Daten für Koordination und Sicherheit.
  • Rechenzentren & Cloud-Dienste: Sie sind auf GNSS-basierte Zeitsynchronisation angewiesen, um die Integrität von Datenbanken, verteiltes Rechnen und sichere Transaktionen zu gewährleisten; Störungen können zu Datenkorruption, fehlgeschlagener Authentifizierung und Ausfällen in kritischer digitaler Infrastruktur führen.
  • Finanzmärkte: Sie verlassen sich auf genaue Zeitstempel, um die korrekte Reihenfolge von Handelsaufträgen sicherzustellen.
  • Rettungsdienste: Sie sind abhängig von präzisen Orts- und Zeitangaben, um effektiv zu reagieren.
  • Landwirtschaft: GNSS ermöglicht präzise Maschinensteuerung und effiziente Landwirtschaft; Ausfälle können Erträge und Betriebsabläufe beeinträchtigen.
  • Militärische Operationen: Sie setzen auf GNSS zur Koordination von Truppenbewegungen, Logistik und präziser Zielerfassung; Ausfälle können Operationen stören und die Lageeinschätzung beeinträchtigen.
Global Navigation Satellite System-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen

NAVISP und FORTE: Lösungen für mehr Resilienz

Das NAVISP-Programm der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) geht diese Schwachstellen direkt an, indem es Technologien fördert, die Positionierung, Navigation und Timing (PNT) unabhängig von GNSS und widerstandsfähiger machen. Zudem unterstützt es innovative GNSS-Anwendungen, beispielsweise für das autonome Fahren.

Zusammenfassend konzentriert sich NAVISP auf:

  • Die Entwicklung von Alternativen zu GNSS, wie terrestrische Zeitsynchronisations- und Positionierungsnetze, inertiale Navigation und hybride Systeme.
  • Die Erhöhung der Verfügbarkeit von GNSS durch fortschrittliche Erkennung und/oder Unterdrückung von Jamming und Spoofing.
  • Die Förderung von Innovationen im Bereich PNT-Technologien für Mobilität, Infrastruktur und resiliente Kommunikation.

Durch die Integration von GNSS mit ergänzenden Systemen sorgt NAVISP für robuste Leistung, selbst in herausfordernden Umgebungen wie dicht besiedelten Städten oder Gebirgsregionen.

Neben der finanziellen Fördermöglichkeit treten im Rahmen von NAVISP regelmäßig Infrastrukturbetreiber, Experten, Forschungseinrichtungen und ESA-Vertreter zusammen, um neueste Technologien für resilientes PNT zu erkunden, Herausforderungen in Mobilitäts- und Infrastruktursystemen zu diskutieren und gezielt Projektideen für das NAVISP-Programm mit ESA-Experten zu entwickeln. Siehe dazu auch unseren Blogbeitrag zum NAVIS Workshop vom 29. Jänner 2025 in Wien.

Das Forschungsprogramm FORTE (Forschungs- und Technologiewesen) des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV) trägt ebenfalls zur Stärkung der PNT-Resilienz bei und verfolgt einen strategischen Ansatz im Umgang mit GNSS-Technologien.

Wie wir Sie unterstützen können

Als erfahrenes Beratungsunternehmen für IT in kritischen Infrastrukturen helfen wir Unternehmen, sich an die sich wandelnden Herausforderungen und Regularien in diesem Bereich anzupassen. Von der Analyse bestehender IT-Infrastrukturen bis hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen helfen wir Ihnen, Innovationen nahtlos in Ihre Prozesse zu integrieren und bestehende Schwachstellen gezielt zu beheben.

Dank unserer branchenübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen Schienenverkehr, Straßenverkehr, Luft- und Raumfahrt liefern wir Ihnen praxisnahe und nachhaltige Lösungen zur Stärkung Ihrer kritischen Infrastruktur. Zudem prüfen wir, ob Sie von Fördermöglichkeiten profitieren können – etwa aus FFG-Forschungsprogrammen, Verteidigungsforschungsprogrammen oder ESA-Programmen – und beraten Sie dabei gerne.

Gemeinsam mit Ihnen gestalten wir eine zukunftsfähige und resiliente Infrastruktur, die den Anforderungen von heute und morgen gerecht wird.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

IRIS² – Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite
Eine geplante europäische Satellitenkonstellation zur Sicherstellung sicherer und unabhängiger Kommunikations- und Navigationsdienste

NAVISP – Navigation Innovation and Support Program
Ein ESA-Programm zur Förderung innovativer Technologien im Bereich PNT. Ziel ist es, innovative Anwendungen für PNT voranzutreiben sowie Europas Resilienz und Unabhängigkeit in der Navigation zu stärken.

PNT – Positioning, Navigation, Timing
Die drei wesentlichen Funktionen von Navigationssystemen: Positionsbestimmung (Wo bin ich?), Navigation (Wie komme ich ans Ziel?) und Zeitmessung (Synchronisation von Netzwerken und Systemen).

ESA NAVISP Workshop in Wien

Schutz kritischer Infrastrukturen, wenn GPS oder Galileo ausfällt

Am 29. Jänner 2025 veranstalteten das BMK, die ESA, Austriatech und die FFG einen Workshop zur Stärkung wichtiger Technologien, die für die Resilienz von kritischen Infrastrukturen und die Zukunft der Mobilität unerlässlich sind. Die Veranstaltung war Teil des ESA-NAVISP-Programms, und brachte Infrastrukturbetreiber, Experten, Forschungseinrichtungen und ESA-Vertreter zusammen. Das Ziel dabei war, neueste Technologien für resilientes PNT zu erkunden, Herausforderungen in Mobilitäts- und Infrastruktursystemen zu diskutieren und gezielt Projektideen für das NAVISP-Programm mit ESA-Experten zu entwickeln.

Günter Graf (Frequentis)

Workshop Highlights: “Pole Position with Satellite Navigation”

Der Workshop betonte die immens wachsenden Anwendungsfelder für Satellitennavigation (GPS, Galileo, und GNSS allgemein) und die Bemühungen, kritische Infrastrukturen zu stärken sowie neue zu schaffen. Es geht darum, Europas Resilienz und Unabhängigkeit zu sichern – auch in Österreich. Ein Ausfall von GNSS ist längst kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein reales Szenario mit potenziell schwerwiegenden Folgen, etwa einem flächendeckenden Stromausfall in Europa. Angesichts neuer Infrastrukturprojekte und der notwendigen Anpassung bestehender Systeme wie Stromnetze und Verkehrsnetze ergaben sich folgende Kernpunkte.

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Wachsende Sensibilisierung für GNSS-Schwachstellen: Europas Fokus verlagert sich von bloßer Leistungssteigerung hin zur Sicherstellung von Verfügbarkeit und Resilienz, wobei Jamming und Spoofing als zentrale Bedrohungen gelten.
  • Österreichs wichtige Rolle bei GNSS-Anwendungen: Neben der Luftfahrt setzen österreichische Verkehrssysteme auf der Straße und auf der Schiene zunehmend auf GNSS. Die nächsten Schritte sind die Skalierung und großflächige Implementierung. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten in der Entwicklung von Anti-Jamming- und Spoofing-Technologien, wodurch Österreich sich beispielsweise mit OHB Austria als wichtigem Akteur in diesem Bereich positioniert.
  • Weltraum als strategischer Schlüsselbereich: Kein Land kann es sich leisten, den Weltraum zu vernachlässigen. Auch kleinere Staaten wie Österreich investieren verstärkt in eigene Raumfahrtinfrastrukturen, um sich gegen aktuelle und zukünftige weltraumgestützte Systeme abzusichern.
  • Großflächige Timing-Infrastruktur zur Absicherung gegen GNSS-Ausfälle: Auf europäischer Ebene entstehen konkrete Projekte für eine robuste, glasfaserbasierte Timing-Infrastruktur. Großbritannien führt in diesem Bereich, während Teile Kontinentaleuropas nachziehen. Dies soll die Basis für zukünftige PNT-Entwicklungen bilden.
  • Alternative PNT-Konzepte am Boden und/oder im Weltraum: Neue Lösungen, darunter die IRIS²-Initiative, befinden sich in der Entwicklung. Jede terrestrische Umsetzung sollte dabei auf einer stabilen Timing-Infrastruktur aufbauen.
  • Aufstieg der Indoor-Lokalisierung: Während die Fußgängernavigation nicht im Fokus steht, gewinnt Indoor-Positionierung besonders für industrielle Automatisierung und smarte Fertigung stark an Bedeutung.
NAVISP Konferenz 2025
Pierluigi Mancini (European Space Agency)

Wie die team Sie unterstützen kann

Als erfahrenes Beratungsunternehmen für IT in kritischen Infrastrukturen helfen wir Unternehmen, sich an die sich wandelnden Herausforderungen und Regularien in diesem Bereich anzupassen. Von der Analyse bestehender IT-Infrastrukturen bis hin zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen helfen wir Ihnen, Innovationen nahtlos in Ihre Prozesse zu integrieren und bestehende Schwachstellen gezielt zu beheben.

Dank unserer branchenübergreifenden Zusammenarbeit in den Bereichen Schienenverkehr, Straßenverkehr, Luft- und Raumfahrt liefern wir Ihnen praxisnahe und nachhaltige Lösungen zur Stärkung Ihrer kritischen Infrastruktur. Zudem prüfen wir, ob Sie von Fördermöglichkeiten profitieren können – etwa aus FFG-Forschungsprogrammen, Verteidigungsforschungsprogrammen oder ESA-Programmen – und beraten Sie dabei gerne.

Gemeinsam mit Ihnen gestalten wir eine zukunftsfähige und resiliente Infrastruktur, die den Anforderungen von heute und morgen gerecht wird.

Sie möchten mehr über dieses Thema wissen? In einem weiteren Blogbeitrag werden wir in Kürze die GNSS-Abhängigkeit kritischer Infrastrukturen, deren potenzielle Auswirkungen sowie mögliche Lösungsansätze genauer beleuchten.

Glossar

ESA – Europäische Weltraumorganisation
Die European Space Agency (ESA) ist eine zwischenstaatliche Organisation zur Förderung der europäischen Raumfahrt. Sie entwickelt Satellitensysteme, darunter Galileo, und unterstützt innovative Programme wie NAVISP.

GNSS – Global Navigation Satellite System
Globale Satellitennavigationssysteme liefern Positions-, Navigations- und Zeitinformationen. Dazu gehören GPS (USA), Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China).

IRIS² – Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite
Eine geplante europäische Satellitenkonstellation zur Sicherstellung sicherer und unabhängiger Kommunikations- und Navigationsdienste

NAVISP – Navigation Innovation and Support Program
Ein ESA-Programm zur Förderung innovativer Technologien im Bereich PNT. Ziel ist es, innovative Anwendungen für PNT voranzutreiben sowie Europas Resilienz und Unabhängigkeit in der Navigation zu stärken.

PNT – Positioning, Navigation, Timing
Die drei wesentlichen Funktionen von Navigationssystemen: Positionsbestimmung (Wo bin ich?), Navigation (Wie komme ich ans Ziel?) und Zeitmessung (Synchronisation von Netzwerken und Systemen).

EU Cybersecurity - NIS-2-Richtlinie

NIS-2-Richtline – Ab morgen gemeinsam sicher in die Zukunft

Am 17. Oktober endet die Frist zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie der EU, die das Ziel verfolgt, die Cybersicherheit in kritischen Sektoren wie Energie, Gesundheit und Transport zu stärken. Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind oder deren Lieferketten unterstützen, sollten sich auf neue Anforderungen einstellen. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem die Verbesserung der Netzwerksicherheit, Schulungen für Mitarbeiter:innen sowie die Verpflichtung, Sicherheitsvorfälle zu melden. Auch kleinere Unternehmen, die in diese Wertschöpfungsketten eingebunden sind, sind betroffen. Welche Sektoren betroffen sind, zeigt diese Übersicht:

NIS-2-Richtline - betroffene Sektoren

Vorteile für Ihr Unternehmen

Die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie bringt nicht nur regulatorische Pflichten mit sich, sondern auch zahlreiche Vorteile für Ihr Unternehmen. Durch stärkere IT-Sicherheitsmaßnahmen minimieren Sie das Risiko von Cyberangriffen und Betriebsausfällen, was zu einem sichereren und verlässlicheren Geschäftsumfeld führt. Darüber hinaus können Sie das Vertrauen Ihrer Kunden und Partner weiter festigen, indem Sie nachweisen, dass Sie den Schutz Ihrer Daten und Systeme ernst nehmen.

Ein prominentes Beispiel für die schwerwiegenden Folgen unzureichender IT-Sicherheitsmaßnahmen ist der SolarWinds-Hack, bei dem Angreifer über Monate unbemerkt auf die Netzwerke von tausenden Unternehmen und Regierungsstellen zugreifen konnten. Dieser Vorfall verdeutlichte eindrucksvoll, wie kritisch die Sicherung von IT-Systemen ist – besonders für Unternehmen, die in sensiblen Bereichen tätig sind. Durch die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie können solche Risiken gezielt minimiert und Ihre Systeme besser vor komplexen Bedrohungen geschützt werden.

EU Cybersecurity - NIS-2-Richtlinie

Die team ist Ihr Partner

Als erfahrenes Beratungsunternehmen im Bereich IT-Sicherheit unterstützen wir Sie dabei, die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie in einer für Sie optimalen Weise umzusetzen. Wir begleiten Sie bei der Analyse Ihrer bestehenden IT-Infrastruktur, entwickeln maßgeschneiderte Sicherheitslösungen und helfen bei der Integration in Ihre laufenden Prozesse. Unsere langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Unternehmen verschiedenster Branchen ermöglicht es uns, praktikable und nachhaltige Sicherheitskonzepte zu erarbeiten.

Falls Sie sich noch nicht sicher sind, welche Maßnahmen für Ihr Unternehmen erforderlich sind oder wie Sie diese effizient umsetzen können, stehen wir Ihnen gerne zur Seite. Kontaktieren Sie uns, um gemeinsam herauszufinden, wie die NIS-2-Richtlinie zur Stärkung Ihrer IT-Sicherheit beitragen kann – wir unterstützen Sie dabei, optimal vorbereitet in die Zukunft zu gehen.

NIS – Netz- und Informationssysteme